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Nazis planen Aufmarsch in Wunsiedel

Bündnis kündigt Gegenkundgebung an

Wunsiedel (epd/nd). Vier Monate nach der Auflösung der Grabstätte von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß wird Wunsiedel womöglich erneut zum Aufmarschplatz für Neonazis. Für den Volkstrauertag, 13. November, hat das rechtsex- tremistische »Freie Netz Süd« zu einer Versammlung in der oberfränkischen Stadt aufgerufen. Den Eingang eines entsprechenden Antrags bestätigte das Landratsamt Wunsiedel am Donnerstag dem epd. Über den Antrag sei jedoch noch nicht entschieden.

Das Bündnis »Wunsiedel ist bunt« kündigte unter dem Motto »Wir gedenken der Opfer und nicht der Täter« eine Gegenkundgebung zu der Neonazi-Versammlung an. Am selben Tag sollen zudem zwei Informationstafeln zur Erinnerung an 30 jüdische KZ-Opfer enthüllt werden, die auf dem Wunsiedler Friedhof bestattet wurden.

Hauptredner beim Neonazi-Aufmarsch zum »Heldengedenktag« soll der Historiker Olaf Rose sein, der dem geschichtsrevisionistischen Spektrum zugerechnet wird. Das frühere Mitglied im Bundesvorstand der NPD wurde mit seinem Film »Geheimakte Heß« (2004) bekannt. Darin wird die Behauptung aufgestellt, Heß habe 1987 im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau nicht Suizid begangen, sondern sei ermordet worden. Ein Jahr nach seinem Tod wurde der führende Nationalsozialist Heß in einem Familiengrab auf dem Wunsiedler Friedhof beigesetzt.

Diese Märtyrerlegende hatten Neonazis aus ganz Europa jahrelang zum Anlass für »Rudolf-Heß-Gedenkmärsche« in Wunsiedel genommen. Dagegen formierte sich ein massiver Widerstand, der von vielen gesellschaftlichen Gruppen getragen wurde. 2005 wurden die Aufmärsche in Wunsiedel endgültig verboten. Dennoch kam es in der Vergangenheit dort immer wieder zu Demonstrationen von Rechtsextremisten, die von Beobachtern als Alibiveranstaltungen für die verbotenen Gedenkmärsche eingestuft wurden.

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