Die Feigheit abstreifen

Syrische Filme schlagen eine verhaltene Note beim Arabischen Filmfestival an

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
Filme aus Syrien spielen eine Sonderrolle beim Arabischen Filmfestival in Berlin. Als »silent cinema« (stilles Kino) wurde es auf internationalen Festivals oft etikettiert. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Denn während Beiträge aus Ägypten an den Aufbruch des Frühjahrs anknüpfen konnten, marokkanische Filmemacher moderate Reformen zum Ausgangspunkt ihres Schaffens machten und palästinensische und libanesische Regisseure zumindest in großer ästhetischer Freiheit die blutigen Konfliktlinien ihrer Gesellschaften nachzeichneten, hängt ein Schleier von Melancholie und Hoffnungslosigkeit über den Filmen aus und über Syrien. Man ist geneigt, dies als eine Entsprechung der Situation in dem Land selbst zu lesen. Schließlich liegt der kurze »Damaszener Frühling«, der nach dem Machtwechsel vom verstorbenen Präsidenten Hafiz al-Assad zu dessen Sohn Bashar einsetzte, schon eine ganze Dekade zurück.
Der französische Filmemacher Johann Rousselot, der eine erdrückende Videoerzählung über die jüngsten Morde der Sicherheitskräfte Bashar al-Assads zusammengestellt hat (»Syrial Killing«, nicht beim Festival vertreten), hält die Regimegegner in Damaskus und Aleppo für technisch und organisatorisch nicht so ausgereift wie die Cyberaktivisten aus Ägypten oder Tunesien. Sie kennen sich nicht so gut mit Servern aus, beobachtete er. Außerdem fangen »die meisten an, die Macht des Internets anzuzweifeln, weil sie dessen Grenzen entdeckten und erkannten, dass die Armee mit ihren Waffen noch immer stärker war als Kommunikation und Nachrichten«, lautete sein Fazit, als er unter in die Türkei geflohenen Syrern nach Amateurvideos über die Ausschreitungen recherchierte.
Eine eher düstere Grundstimmung kennzeichnet auch den bemerkenswertesten syrischen Beitrag des aktuellen Festivals. »Wie kann ich kein Feigling mehr sein?«, f...
Filme aus Syrien spielen eine Sonderrolle beim Arabischen Filmfestival in Berlin. Als »silent cinema« (stilles Kino) wurde es auf internationalen Festivals oft etikettiert. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Denn während Beiträge aus Ägypten an den Aufbruch des Frühjahrs anknüpfen konnten, marokkanische Filmemacher moderate Reformen zum Ausgangspunkt ihres Schaffens machten und palästinensische und libanesische Regisseure zumindest in großer ästhetischer Freiheit die blutigen Konfliktlinien ihrer Gesellschaften nachzeichneten, hängt ein Schleier von Melancholie und Hoffnungslosigkeit über den Filmen aus und über Syrien. Man ist geneigt, dies als eine Entsprechung der Situation in dem Land selbst zu lesen. Schließlich liegt der kurze »Damaszener Frühling«, der nach dem Machtwechsel vom verstorbenen Präsidenten Hafiz al-Assad zu dessen Sohn Bashar einsetzte, schon eine ganze Dekade zurück.

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