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Krisenbedingte Armut und Obdachlosigkeit nehmen zu

Lässt sich "Occupy Wall Street" zur Suppenküche degradieren?

Polizeiknüppel und interne Streitereien hin oder her – in den USA ist und bleibt „Occupy Wall Street" die treibende Kraft von Debatten im Mainstream, sowohl in den Medien wie in der Politik. Die Bewegung hat es geschafft, innerhalb von zwei Monaten die gesellschaftliche Debatte auf Themen wie soziale Ungleichheit, Verschuldung von Privathaushalten oder auch Obdachlosigkeit zu lenken. Immerhin – denn es wird Winter.

Millionen von Häusern sind zwangsversteigert worden, um nur ein Beispiel zu nennen. Die meisten kamen irgendwie bei Familienangehörigen unter. Ein anderes: die Gesamtsumme der Schulden unter Studierenden hat die 1-Billionen-Dollargrenze überschritten, neuer Rekord.

Unübersehbar geht aber die Zahl der Obdachlosen in die Höhe. Im bevölkerungsarmen Bundestaaat Oregon beispielsweise, an der US-Westküste, gibt es amtlichen Zahlen vor Kurzem zufolge 22116 Obdachlose, davon 30 Prozent Kinder. So ist es kein Wunder, dass „Occupy Portland" in Oregon grossen Zulauf hat. Nachts schlafen dort um die 500 Menschen in Zelten und im Freien – es handelt sich um eines der grössten „Occupy"-Lager der USA. Die Organisatoren sagen, dass inzwischen die Mehrzahl derjenigen, die sich dort aufhalten, Obdachlose sind, Verarmte, Rausgeschmissene, auch Drogensüchtige, Verrückte und sonst irgendwie viele Menschen, die nicht „normal" sind. Die wackeren Aktivisten und Aktivistinnen von „Occupy Portland" kochen und verteilen Tag für Tag 1500 Mahlzeiten. Die Gewerkschaft der Krankenschwestern und Pfleger kümmert sich um die medizinische Versorgung. Die Dienstleistungen, die eigentlich die staatlichen Behörden leisten müssten, werden irgendwie von „Occupy" übernommen - mehr schlecht als recht. Erschwerend kommt dazu, dass in vielen Städten die Polizei, die staatlichen und regionalen Suppenküchen und die sonstigen sozialen Dienste ihre arme Klientel immer öfter auf „Occupy" verweisen. In zahlreichen Städten schicken Polizisten Betrunkene und Verwirrte zum Übernachten ins nächste „Occupy"-Lager und hungrige Bettler vor dem Rathaus zum Essen zu den „99 Prozent".

Verkommt „Occupy" zur Verwaltung des Elends, das ja nur noch zunehmen wird, da das Ende der Wirtschaftskrise nicht abzusehen ist? Vielen Aktivisten im ganzen Land von Nashville im südlichen Tennessee über Phoenix im Westen bis nach Philadelphia und New York wird allmächlich bewusst, dass es, um eine soziale Bewegung mit politischer Zukunft zu werden, einiger Strategiedebatten bedarf. Wenn diese ausbleiben, weil man im arbeitsintensiven „Occupy"-Alltag steckenbleibt, wird die Bewegung überrollt werden – die Mehrzahl verprügelt und aus dem Stadtzentrum vertrieben, eine Minderheit zum Mitmachen in Institutionen gelockt.

Die unschönen Armutszahlen werden in den kommenden Monaten und Jahren nicht besser aussehen. Anfang 2011 hiess es offiziell aus Washington, dass 14,3 Prozent der US-Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben. Sie heisst in Dollars ausgedrückt 22400 Jahreseinkommen für eine vierköpfige Familie. Damit war einer von sechs Amerikanern, insgesamt 47 Millionen Menschen, offiziell arm. 19 Millionen leben in „extremer Armut", davon fast sieben Millionen Kinder. Das war, wie gesagt, Anfang des Jahres. Jetzt sind es ein paar Zehntausend mehr.

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