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Jeden Sonntag Shogi-Treff in Abidjan

LIONNEL KOUASSI will Japans Denkspiel Nr. 1 in Afrika sozialisieren – und er beginnt in seiner Heimat Elfenbeinküste

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In Japan ist der 17. November ein staatlicher Feiertag. Nichts besonderes? Doch. Es geht nämlich um die Würdigung der Japaner Lieblingsspiel: Es ist der Tag des Shogi. Der Stellenwert, der auf diese Weise dem (Japan-)Schachspiel in der fernöstlichen Gesellschaft zugewiesen worden ist, sucht weltweit seinesgleichen und fasziniert die Liebhaber intellektueller Wettkämpfe am Brett rund um den Globus. Mit der Folge, dass Shogi inzwischen sogar auf dem afrikanischen Kontinent Fuß zu fassen beginnt. Dank der Initiative von LIONNEL KOUASSI, einem 23-jährigen Personalberater, der in der Metropolregion Abidjan lebt, der früheren Hauptstadt der Elfenbeinküste.
Lionnel Kouassi: Glück im Spiel für Afrika?
Lionnel Kouassi: Glück im Spiel für Afrika?

ND: Sie wollen Shogi an der Elfenbeinküste etablieren.Was hat den Auslöser dafür gegeben?
Kouassi: Die Mangareihe »Naruto Shippuden«, in der ein junger Protagonist namens Shikamaru Nara regelmäßig mit seinem Vater Shogi trainiert. Nachdem ich erkannt habe, dass Shogi nicht nur als Spiel interessant ist, sondern darüber hinaus auch Werte vermittelt, von denen auch Afrikas Jugend profitieren kann: Selbstdisziplin, Geduld, Pflichtgefühl.

Ihr Land ist im Frühjahr 2011 erschüttert worden von einem Bürgerkrieg. Gibt es aktuell nicht wichtigere Projekte, als ausgerechnet japanisches Schach?
Der Friedensprozess nach den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit hat natürlich Priorität. Andererseits muss Versöhnung, soll sie Bestand haben, alle Bereiche der Gesellschaft durchdringen, und vor diesem Hintergrund kann Shogi die ivorische Jugend in ein Projekt einbinden, das zu neuem Denken anregt. Nehmen Sie die spezielle Shogi-Regel, dass ich Einheiten, die ich dem anderen abgenommen habe, auf meiner Seite als Verstärkung einsetzen darf. Negative Energie kann ich also umlenken und transformieren in positive Energie, und diese Erkenntnis lässt sich nutzbringend auch auf den Alltag außerhalb des Spielgeschehens übertragen.

Aber Shogi ist ein genuin japanisches Spiel.
Wo liegt das Problem? Shogi hat seit Jahren auch außerhalb Japans viele Anhänger gefunden. Wer wird denn heute noch ernsthaft behaupten, dass Fußball ein »englischer« Sport sei ?

Afrikas Beitrag zur Kultur der strategischen Spiele ist Awalé, je nach Region heißt es auch Oware oder Bao, und dort geht es nicht darum, einen feindlichen König zu jagen, sondern möglichst viele Samenkörner sollen eingesammelt und in einem System zunächst leerer Mulden verteilt werden. Das ist weniger Konfrontation als zu zählen und virtuelles Kapital zu akkumulieren. Wie soll dagegen Shogi bestehen?
Awalé wird meist nur noch in den Dörfern von den Alten gespielt. Viel populärer sind Dame und das »Mensch-ärgere-dich-nicht«-ähnliche Ludo. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass nicht auch Shogi hier eine Chance hätte. Sport und Spiel werden inzwischen geprägt von einem Universalismus, der die Enge der Tradition überwindet.

Sie sind die treibende Kraft gewesen, dass sich im Dezember 2009 die Association Shôgi Ivoire formiert hat. Für wie viele Fans spricht die ASI, bald zwei Jahre nach ihrer Gründung?
Gut hundert Enthusiasten, von denen annähernd fünfzig regelmäßig zu Turnieren antreten. Das Zentrum der Shogiszene an der Elfenbeinküste ist Abidjan. Dort treffen wir uns jeden Sonntag in einem Open-Air-Restaurant, das die Mutter eines ASI-Mitgliedes führt.

Wo kriegen Sie das Spielmaterial her?
Die International Shogi Popularization Society (ISPS) und Präsident Manabu Terao haben uns großzügig unterstützt und als Starthilfe Sets aus Japan geschickt.

Die Elfenbeinküste soll die erste Etappe sein auf einem sehr langen Marsch: Sie wollen ganz Afrika reif machen für Shogi. Eine überaus kühne Vision - aber kann die in der Realität funktionieren?
Zugegeben, die Aufgabe ist gewaltig, und ich will die Schwierigkeiten nicht klein reden. Trotzdem stellen sich dank Internet erste Erfolge bereits ein: Regelmäßig treffen wir uns online zu Matches mit Enthusiasten, die gerade neue Shogi-Stützpunkte in Kenia, Marokko, Südafrika, Senegal und Burkina Faso aufbauen. Wie eben das japanische Sprichwort sagt: »Suki koso mono no jouzu nare, gerade wenn wir Dinge lieben, können wir gut darin werden.«

Interview: René Gralla

Weitere Informationen zu Shogi in der Elfenbeinküste: africashogi.blogspot.com

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