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Opfergaben für die Wassergöttin

Katastrophale Auswirkungen der heftigen Regenfälle in Thailand haben auch mit fehlendem Wassermanagement zu tun

Das aktuelle Hochwasser in Thailand wurde durch den Sturzregen im Gefolge mehrerer Zyklone hervorgerufen. Doch an den katastrophalen Folgen sind auch Wirtschaft und Staat nicht ganz unschuldig.

Am vergangenen Donnerstag schickten die Thais zehntausende kleine, mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen verzierte Flößchen über die Flüsse und Seen. Mit diesen schwimmenden Opfergaben zum Fest Loy Krathong wird die Wassergöttin Phra Mae Khongkha um Verzeihung gebeten für das, was die Menschen den Gewässern antun. So manchem Thai mag dabei der Gedanke durch den Kopf geschossen sein, die schwere Hochwasserkatastrophe, die Thailand seit mehr als drei Monaten heimsucht, könne eine Strafe der Göttin für den rücksichtslosen Umgang mit der Umwelt sein.

Der Monsun setzte in diesem Jahr früher ein und brachte mehr Regen als sonst. Statt der durchschnittlichen Regenmenge von 1500 Millimetern im gesamten Jahr fielen bis jetzt schon 2000.

Doch der Megaregen nach mehreren tropischen Wirbelstürmen, die von den Philippinen bis Myanmar für Überschwemmungen sorgten, kam nicht wirklich überraschend. Etwa alle dreißig Jahre kommt es in Thailand zu schwerem Regen, so die Geo-Informatics and Space Technology Development Agency in Bangkok. Die Forscher der staatlichen Agentur bemängeln, dass die Hochwasservorsorge darauf nicht eingerichtet ist. Dämme, Deiche und Kanäle zum Schutz gegen Überschwemmungen seien in den 1980er Jahren auf der Basis von 1000 Millimeter Regen pro Jahr gebaut worden.

Die Wissenschaftler haben weitere menschgemachte Ursachen für das ungeheure Ausmaß der jetzigen Überschwemmungen ausgemacht: die Abholzung der Wälder und die Stilllegung vieler Hundert Kanäle in Bangkok. Dem Wasser seien so die natürlichen Überflutungsgebiete genommen worden.

In der Kritik steht auch das Hochwassermanagement der thailändischen Regierung. Das wird von den zahlreichen und mächtigen Gegnern der seit knapp drei Monaten amtierenden Premierministerin Yinluck Shinawatra instrumentalisiert. Hinter der politischen Wasserschlacht verschwindet aber das eigentliche Problem: Thailand hat kein ad᠆äquates Wassermanagement. Zu diesem Schluss kommt die Netherlands Water Partnership (NWP), die Anfang des Jahres auf Einladung der thailändischen Regierung das Was᠆sermanagement unter die Lupe genommen hat. Es fehle an langfristiger Planung, die neben Umweltfaktoren, Klimawandel und dem steigenden Meeresspiegel auch die zunehmende Urbanisierung, die rasante Bevölkerungszunahme und Wirtschaftswachstum berücksichtige, heißt es in dem Report.

Klar benennt das NWP auch die Wurzel des Übels: die Verteilung der Zuständigkeiten für Wasser- und Landnutzung auf 19 Ministerien. Im Kompetenzwirrwarr gepaart mit Stellungskriegen zwischen Regierung und Opposition geht effektives Hochwassermanagement baden. Der Wassergöttin wird das gar nicht gefallen.

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