Christoph Funke 14.11.2011 / Kultur

Frost in allen Blüten

»Der Kirschgarten« von Anton Tschechow im Berliner Ensemble

Cornelia Froboess (Ljubow Andrejewna Ranjewskaja) und Robert Gallinowski (Lopachim)

Da gab es einmal, Ende des 19. Jahrhunderts, ein Gut, irgendwo in der russischen Provinz. Es hatte einen berühmten Kirschgarten, war aber hoffnungslos überschuldet und der baldigen Zwangsversteigerung ausgeliefert. Leute lebten dort, kamen zu Besuch, fuhren wieder weg, die sich irgendwie durch die Tage zu schummeln versuchten. Männer, Frauen, Mädchen, in Geschäft und Liebe Gescheiterte, ohne Antrieb, ohne Hoffnung. So beschreibt es Anton Tschechow in »Der Kirschgarten«, seinem letzten, der immer erneut ausbrechenden Tuberkulose abgetrotzten Stück. Ein tränenumflortes Drama also über verlorene Menschen, die blind durchs Dasein taumeln? Anton Tschechow urteilte anders. »Es ist kein Drama geworden, sondern eine Komödie, stellenweise sogar eine Farce«, schrieb er am 15. September 1903 an die Schauspielerin M. P. Lilina. Viele Regisseure, über viele Jahrzehnte Wege zur Deutung des Stücks suchend, sind dem Dichter in diesem auf Lockerheit, auf Frische, auf Tempo zielenden Hinweis nicht gefolgt. Thomas Langhoff, der den »Kirschgarten« jetzt am Berliner Ensemble inszenierte, auch nicht.

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