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Nudelzirkus mit Wackelpudding

Nur in wenigen Schulen wird das Essen noch vor Ort gekocht - zwei Beispiele aus dem Nordosten

  • Von Grit Büttner, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Kekse und Chips statt Kartoffeln mit Gemüse. Jugendliche machen oft einen großen Bogen um die Schulkantine und versorgen sich mittags lieber im Supermarkt. Im Ostseeheilbad Zingst (Vorpommern) werden die Schüler noch bekocht.

Zingst. Satt grün leuchtet der Spinat auf dem Teller, umrahmt von Rührei und Salzkartoffeln. Sharon (15) isst jeden Mittag in der neu gebauten Schulküche von Zingst (Vorpommern). »Das schmeckt fast immer, ist nicht so teuer und geht schneller als im Supermarkt einzukaufen«, sagt sie. Auch Max aus der achten Klasse kommt täglich: »Der Tag ist lang und zu Hause kochen zu aufwendig«, meint er.

Bildungsarbeit der Köchin

Das Ostseeheilbad Zingst gehört zu den wenigen Gemeinden in Deutschland, die ihre Schüler noch vor Ort bekochen. Bundesweit nimmt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DEG) nicht einmal die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen das Mittagessen vor Ort ein. Meist liefern Caterer das Essen an, wobei die neuen Länder als Vorreiter gelten, wie Ulrike Arens-Azevedo von der Fakultät Life Sciences der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften erklärt. Laut DEG erhalten im Nordosten 87 Prozent der Schulen vorgekochtes Essen von einem Caterer. Nicht einmal jede zehnte Schule habe noch eine richtige Küche, noch seltener werde aus frischen Zutaten gekocht.

»Die Köchin leistet wertvolle Bildungsarbeit«, lobt der Zingster Schuldirektor Jürgen Schneider. Marion Schäfer, angestellt bei der Gemeinde, setzt auf Hausmannskost: Frisch gekochte Kartoffeln, viel Gemüse, auch Fleisch und selbst zubereitete Soßen, Rohkostsalate. »Nichts aus dem Glas«, betont die Köchin. Namen wie »Nudelzirkus« oder »Räubersuppe« machten neugierig. Stets gebe es geschnittenes Obst, dazu Wasser und Tee. »Ich kenne meine Pappenheimer, ihre Vorlieben oder Allergien«, sagt die Köchin. Immer gebe es Nachschlag. »Pudding koche ich selber, den kennen die meisten ja nur noch aus dem Fertigbecher.« Der Preis fürs Schüleressen: 1,80 Euro. Die Tourismusgemeinde leiste sich hohe Zuschüsse zu den rund 250 Portionen am Tag. Sonst müsste sie vier Euro pro Nase nehmen, sagt Schäfer.

Das Gymnasium Carolinum Neustrelitz (Mecklenburgische Seenplatte) geht noch weiter: Reihum kochten hier die Oberschüler mit, berichtet Roswitha Bley von der DEG-Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Mecklenburg-Vorpommern. Dienst- und Speiseplan, Kalkulation, Kochen, Essensausgabe, Mensaaufsicht - einmal im Schuljahr schwingt jeder Acht- bis Zwölftklässler eine Woche lang den Kochlöffel. »Lernen fürs Leben« nennt die Expertin diesen Kursunterricht. »Die Schüler sind Feuer und Flamme.«

Gemeinsamer Menüplan

Ein Umdenken sei nötig, um vor allem älteren Schülern das gesunde, regelmäßige Pausenessen schmackhaft zu machen, betont Bley. »Mehr Chillen in der Mensa, das finden alle Schüler cool.« Die Großen arbeiteten gern mit dem Laptop, dazu passten Wraps, Snacks wie frisches Obst und Gemüse zum Knabbern, rät die Expertin. »So kann die Kantine einschlägigen Fastfood-Restaurants den Rang ablaufen.«

In der Regionalschule Zingst setzt Köchin Schäfer auf traditionelle Rezepte: Statt bloßem »Essen-Fassen« sei »Futtern wie bei Muttern« angesagt, hebt der Direktor hervor. Die Küchenkommission »Pottsnacker« aus Schülern, Eltern, Lehrern und Köchin sammelten regelmäßig Ideen und kreierten den Menüplan. In Zingst gehen von den gut 200 Schülern mittlerweile wieder mehr als 80 Prozent in die Schulküche.

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