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Seehofer besucht Lidice und Usti

Bayerns Regierungschef erneut in Tschechien

  • Von Michael Heitmann und Christoph Trost, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

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Es ist der zweite Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten in Tschechien binnen eines Jahres - und damit ein klares Signal: In die politischen Beziehungen der beiden Nachbarländer ist Normalität eingekehrt. Diesmal besucht Horst Seehofer auch drei historische Gedenkorte.

München/Prag. Es waren große Worte an einem historischen Tag. »Wir wollen jetzt ein neues Kapitel unserer Beziehungen aufschlagen«, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Dezember vergangenen Jahres nach einem Treffen mit dem tschechischen Regierungschef Petr Necas. Es war der erste offizielle Besuch eines bayerischen Ministerpräsidenten in Prag überhaupt - nachdem der Streit um die Sudetendeutschen das Verhältnis der beiden Nachbarn jahrzehntelang belastet hatte. Ein knappes Jahr später reist Seehofer heute nun wieder nach Prag, um das aufgeschlagene »neue Kapitel« fortzuschreiben. Das Signal der Reise soll sein: Die bilateralen Beziehungen auf höchster Ebene haben sich normalisiert.

Und auch Tschechien blickt nach vorn. Der zweite Besuch Seehofers wird in Prag weithin als Beweis gewertet, dass in die Beziehungen zum wichtigen Nachbarn im Westen Normalität eingekehrt ist. »Die Wirtschaft läuft sehr gut«, sagte etwa Bernard Bauer, Geschäftsführer der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer. Umso wichtiger sei daher ein reger Austausch auch auf politischer Ebene. Nicht im Regierungsamt, sondern in der vertraulicheren Atmosphäre seiner Arbeitsresidenz auf einer Anhöhe über der Moldau wird Regierungschef Necas den bayerischen Ministerpräsidenten am heutigen Abend empfangen. Zu den wichtigsten Gesprächsthemen werde gehören, wie sich die Zusammenarbeit in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt habe, hieß es am Montag von der Staatskanzlei in München.

Ganz oben auf der Agenda dürfte zudem die Energiepolitik stehen. Hier gehen Bayern und Tschechien völlig entgegengesetzte Wege: Während Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat, will das Nachbarland den umstrittenen Meiler Temelin um zwei Reaktorblöcke erweitern. Ganz ohne Absprache mit Bayern wird das kaum möglich sein, sagen Beobachter. Bereits jetzt seien tausende Einwände aus Deutschland und Österreich bei den tschechischen Behörden eingegangen, berichtete Premier Necas jüngst in Prag.

Das hochoffizielle Besuchsprogramm Seehofers endet für die tschechische Seite dann am Donnerstag mit einem Arbeitsfrühstück bei Außenminister Karel Schwarzenberg, dessen Familie fränkische Wurzeln hat. Das erläuterte Regierungssprecher Jan Osuch in Prag.

Seehofer aber wird unmittelbar nach dem Gespräch weiterreisen - sozusagen in die düstere Vergangenheit: Mit einer Delegation der Sudetendeutschen wird er die Gedenkstätten Lidice, Theresienstadt und die Elbbrücke in Usti (Aussig) besuchen. In Lidice machte die SS 1942 ein ganzes Dorf dem Erdboden gleich, 340 Bewohner starben. Im Nazi-Konzentrationslager Theresienstadt starben etwa 33 000 Menschen. Bei einem Massaker in Aussig kamen 1945 bis zu 200 Deutsche ums Leben.

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