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Russlands Großtaten

Karl Heinz Schmalfuß über seine Wege nach Moskau

  • Von Susanne Statkowa
  • Lesedauer: 3 Min.

Sein erstes Buch, ein Rückblick auf 30 Jahre Dienst im DDR-Innenministerium, legte der ehemalige stellvertretende Minister des Innern unter dem Titel »Innenansichten« (Helios Verlag) vor zwei Jahren, fast zeitgleich mit seinem 80. Geburtstag, vor. Nun folgte ein zweiter Band. Er zeichnet sich wie der erste durch eine sachliche, klare Sprache aus, die dennoch nicht emotionslos ist.

Während im ersten Buch seine berufliche Entwicklung und die Tätigkeit im Innenministerium im Vordergrund steht, berichtet der gebürtige Vogtländer, Jg. 1929, jüngster Sohn eines Zimmermannes und selbst Vater von drei Töchtern, nun über seine Jugend. Das gelingt ihm plastisch mit der Wiedergabe ganz persönlicher bewegender Episoden. Er erklärt, wie er die Notwendigkeit einer engen Freundschaft zur Sowjetunion als Konsequenz nach der Niederlage des Hitlerfaschismus und des Zusammenbruchs des völkermordenden Systems der Nazis erkannte und befürwortete.

Breiten Raum nehmen die Erinnerungen an seine vierjährige Studienzeit an der Militärakademie in Moskau ein, die Begegnungen mit sowjetischen Offizieren und Lektoren sowie mit Kommilitonen aus anderen sozialistischen Ländern. Seine Kenntnisse der russischen Sprache, die er sich als Neulehrer für Russisch und Latein aneignete, halfen ihm. Aus jeder Zeile spricht die hohe Wertschätzung des Autors gegenüber den Menschen in seinem Gastland, ihrer Herzlichkeit und Großzügigkeit, wie auch ihren Leistungen beim Aufbau ihrer vom Krieg zerstörten Heimat. Schmalfuß spart dabei keinesfalls die Verbrechen des Stalinschen Systems aus; er nimmt auch zu den zunehmenden Konflikten mit den sowjetischen Streitkräften in der DDR und zu kriminellen Übergriffen durch Soldaten Stellung, ebenso zum »Aufstieg und Fall des M. S. Gorbatschow« und zum Zerfall der UdSSR, den er als historischen Rückschritt bedauert.

Bei all den offenen kritischen Einschätzungen verlässt den Autor nie seine optimistische Grundhaltung. In den Schlussbemerkungen erklärt er z. B.: »Russland hat die Geschichte der Welt durch zwei Großtaten bestimmt. Das war zum einen die Oktoberrevolution 1917 und zum zweiten der Sieg über den Faschismus 1945. Mit der Oktoberrevolution tat sich im Zeitalter des Kapitalismus erstmals die Möglichkeit auf, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen im Sinne der Theorien von Marx und Engels zu beenden. Dabei stieß man in völlig unbekannte Gefilde vor, die erst erschlossen werden mussten und auf die eine gesellschaftlich begründete Antwort gefunden werden musste. Gleichzeitig traf man auf den erbitterten Widerstand der Welt von gestern, die die junge Sowjetunion vernichten wollte.«

Und an anderer Stelle heißt es: »Keiner kann und will die Stalinschen Verbrechen leugnen, doch mit dem Kommunismus im eigentlichen Sinne haben sie nichts zu tun. Der Kommunismus nach Marx soll die gerechteste Gesellschaft der Menschheit sein, mit Mord und Totschlag hat sie nichts gemein. Unter Kommunismus verstanden Marx und Engels gelebten Humanismus. Ob eine solche Gesellschaftsordnung jemals möglich sein wird oder ob sie eine schöne Utopie bleibt, kann heutzutage keiner sagen. Fest steht aber, dass der Kapitalismus an die Grenzen seiner Gestaltungsmöglichkeiten gelangt, was täglich zu spüren ist.« Und Schmalfuß bekennt: »Ich habe die Hoffnung und denke, dass die Menschheit Lösungen für eine gerechte Zukunft suchen und auch finden wird.«

Dieses Buch hat viele Leser verdient, denn es räumt mit Klischees auf und wirkt Geschichtsklitterung entgegen.

Karl Heinz Schmalfuß: Meine Wege nach Moskau. Helios Verlag, Aachen. 170 S., geb., 22 €

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