Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Grüne Jobs für Südafrika

Übereinkunft sieht Schaffung von fünf Millionen Arbeitsplätzen vor / Regierung rückt vom Ziel ab

  • Von Armin Osmanovic, Johannesburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Heute beginnt im südafrikanischen Durban die diesjährige UN-Klimakonferenz. Teilnehmer aus über 190 Staaten werden hier über ein neues internationales Klimaschutzabkommen beraten. Das Gastgeberland entdeckt indes gerade die Bedeutung einer »Green Economy«.

Südafrikas Regierung will 300 000 neue »grüne« Arbeitsplätze in den nächsten zehn Jahren schaffen. Der »Green Economy Accord«, der vergangene Woche von Regierung, Unternehmensvertretern und Gewerkschaften unterzeichnet wurde, ist Teil des neuen Wachstumsplans, der in den nächsten zehn Jahren fünf Millionen Arbeitsplätze schaffen soll.

Präsident Jacob Zuma (ANC) ist von dem Regierungsplan aber bereits abgerückt. Angesichts der Wirtschaftskrise in der EU und den USA wird auch in Südafrika mit einem schwächeren Wachstum gerechnet. Daher glaubt der Präsident nicht mehr an das Erreichen des Fünf-Millionen-Ziels. Sollte sich die wirtschaftliche Dynamik in China, dem größten Handelspartner, weiter abschwächen, könnten sogar wieder Arbeitsplätze in Südafrika verloren gehen.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25 Prozent. Durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise sind in den letzten Jahren eine Million Jobs verloren gegangen. Die Regierung bemüht sich mit verschiedenen staatlichen Beschäftigungsprogrammen um die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.

In die »Green Economy«, den Ausbau von regenerativen Energien und die damit zusammenhängende Förderung von Industrien in den Bereichen Wind, Wasser und Sonne, setzt die Regierung große Hoffnung. Bis 2014 sollen eine Million solarbetriebene Wasserboiler in Privathaushalten am Netz sein.

Bislang ist Südafrikas Energieversorgung fast vollständig von Kohleverstromung abhängig. 90 Prozent trägt dieser fossile Energieträger zur Stromerzeugung bei. Das Schwellenland zählt daher pro Kopf zu den größten CO2 Emittenten weltweit. »Saubere Kohle« durch unterirdische Lagerung des Treibhausgases ist geplant. Und auch die Atomkraft soll ausgebaut werden. Gegenwärtig ist nur ein Meiler in der Nähe Kapstadts am Netz.

Der Generalsekretär des größten Gewerkschaftsdachverbands, COSATU, Zwelenzima Vavi, lobte die Regierungspläne für den Ausbau der »Green Jobs«. Dies würde dazu beitragen, die Struktur der Wirtschaft zu verändern. »Der Akkord wird eine neue wirtschaftliche Basis fördern, welche die Bedürfnisse der Menschen befriedigt«, so Vavi zufrieden.

Südafrikas wirtschaftlicher Kern ist immer noch der Bergbau. Das Land ist einer der größten Platin- und Goldproduzenten weltweit. Neben Erzen finden sich auch die neuerdings in den internationalen Blickpunkt gerückten seltenen Erden in Südafrika.

Die heimische Bergbauwirtschaft steckt jedoch in der Krise. Während etwa in Australien und Westafrika die Branche boomt, leiden Südafrikas Minen im Vergleich unter hohen Kosten, so dass vielerorts Arbeitsplätze verloren gehen. Kurzfristige Kostenentlastung bringt die jüngste Schwäche der südafrikanischen Währung, die seit Jahren überbewertet ist. Seit Beginn diesen Jahres hat der Rand gegenüber dem US-Dollar 25 Prozent an Wert verloren.

Angesichts der Probleme im Bergbau und der hohen Arbeitslosigkeit setzen die Gewerkschaften auf den Ausbau der Industrie und hier vor allem auf grüne Arbeitsplätze im Bereich der regenerativen Energien. Deshalb arbeitet COSATU in Vorbereitung für seinen Gewerkschaftskongress Mitte nächsten Jahres an einem eigenen Plan zur Förderung von »Green Jobs« in Südafrika. Als Referenzland haben sich die Gewerkschafter Deutschland ausgesucht. Vom Austausch mit bundesrepublikanischen Experten erwartet man sich Hinweise zur Förderung von Wachstum und Arbeitsplätzen in der »Green Economy«.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln