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Langweilig

Stephan Weil / Der blasse Hannoveraner Bürgermeister ist nun SPD-Spitzenkandidat für die niedersächsischen Landtagswahlen

Premiere bei der SPD in Niedersachsen: Erstmals durfte die Parteibasis über den Spitzenkandidaten für eine Landtagswahl entscheiden. Doch offenbar sah eine Mehrheit keinerlei Abstimmungsbedarf: Weniger als 40 Prozent der insgesamt 65 000 Genossen beteiligten sich an der Kür ihres Spitzenmannes für die Wahlen im Januar 2013. Wie dem auch sei: Der Hannoveraner Oberbürgermeister Stephan Weil machte am Sonntag das Rennen - wenn auch denkbar knapp. Auf den Wahlsieger entfielen 53,3 Prozent der Stimmen, während sein Konkurrent - SPD-Landeschef Olaf Lies -auf 46,1 Prozent kam. Damit hat die SPD im Nordwesten nun einen Kandidaten, aber auch ein großes Problem: Sie muss ihren blassen Spitzenmann Stephan Weil im Land bekannt machen. Außerhalb von Hannover kennt kaum jemand den 52-jährigen Juristen.

Weils Karriere verlief bislang wenig spektakulär. Auf ein Jurastudium in Göttingen folgten Stationen als Richter, Staatsanwalt, Ministerialrat im niedersächsischen Justizministerium und schließlich Stadtkämmerer in Hannover. Keine Posten, die einen zum Medienstar machen. Trotzdem wählten ihn die Hannoveraner im November 2006 zu ihrem Stadtoberhaupt. Die Wähler spürten wohl, dass der blasse Herr Weil gut zu ihrer nicht minder blassen Stadt passen würde. Sie wurden nicht enttäuscht. Weil regiert unspektakulär. Seine Untergebenen verblüfft er nur durch eine schon fast manische Akribie.

Wer wissen will, wie Weil als Ministerpräsident regieren würde, sollte sich die allmonatlich ausgestrahlte Talkshow »Warum, Herr Weil« ansehen. In dieser Sendung des lokalen Bürgerfernsehens gelingt es ihm regelmäßig, seine Gesprächspartner mit seiner ruhigen Art einzulullen. Offen ausgetragene Konflikte sind seine Sache nicht. So überrascht es nicht, dass er den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten David McAllister noch vor der eigenen Parteibasis über seine Kandidatur in Kenntnis setzte. McAllister und Weil verstehen sich gut, heißt es in Hannover. So steht den Niedersachsen ein wenig spektakulärer, um nicht zu sagen langweiliger, Wahlkampf bevor.

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