»Entweder ich werde berühmt ... oder berüchtigt«

Vor 120 Jahren wurde der Maler Otto Dix in Gera geboren

  • Von Jens Grandt
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.
»Orpheus und die Tiere«, 1938. Wandgemälde im Gartenpavillon von Fritz Niescher

Welche Entschiedenheit, welche Härte auch gegen sich selbst: »Entweder ich werde berühmt - oder berüchtigt.« Das nimmt sich der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Otto Dix in jungen Jahren vor. 1946, nach einer gruseligen letzten Groteske in Hitlers Volkssturm und französischer Gefangenschaft, als er mit seinem Sohn Jan wieder Leinwände auf Tafeln zu kleben beginnt, ist der »wahrhaft große deutsche Künstler« (Henri Barbusse), den man mit Goya und Picasso vergleicht, fast vergessen. Er sitzt im bayerischen Hemmenhofen, einem kleinen Dorf am Bodensee, erschüttert vom Trauma der letzten Jahre. Mit zumeist freundlichen, etwas melancholischen Landschaftsbildern im altmeisterlichen Stil hatte er sich zu beruhigen und über Wasser zu halten versucht. Jetzt will er sie nicht mehr sehen.

In den endzwanziger Jahren war er nahe daran, seinem Image »Berühmt - Berüchtigt« gerecht zu werden. Letzteres sowieso, seine radikal realistischen (nicht...

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