Brauner Sumpf? Mitnichten!

In Jena setzten 50.000 Menschen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus

Was soll das hier?

Sei auch du solidarisch und unterstütze linken Journalismus mit einem freiwilligem Abo, einer Spende - oder noch besser entscheide dich für ein Digitalabo.

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...
Udo Lindenberg, Peter Maffay und Clueso gehören zu den Musikern, die bei der „Rock'n Roll Arena in Jena“ spielten. Die Stadt, aus der das Nazi-Trio stammt, zeigte mit dem größten Konzert ihrer Geschichte Gesicht gegen rechte Gewalt.
Fans feiern beim Konzert gegen Rechts der
Fans feiern beim Konzert gegen Rechts der "Rock'n'Roll Arena in Jena". Initiiert von Altrocker Lindenberg haben sich zahlreiche Popmusiker angekündigt, ebenso wie etliche Politprominenz.

Über der Stadt schwebt ein riesiges Ausrufezeichen. Im Zentrum von Jena leuchtet es gelb in der Dunkelheit. Ein Zeichen, das zu dem Abend passt. Es sind die erhellten Fenster des Intershop-Towers, einem runden Hochhaus und Wahrzeichen der Stadt, die das Symbol in den Himmel malen. Es soll nicht zu übersehen sein, dass an diesem Freitagabend etwas wichtiges gezeigt wird. Zu überhören ist es auch nicht. Aus dem Stadtpark wummern dumpfe Bässe, dazwischen ruft Udo Lindenberg: „Für eine bunte Republik Deutschland!“

Udo Lindenberg bei seinem Auftritt am Freitag Abend. Das Konzert ist eine Reaktion auf die rechtsextreme Mordserie eines Trios, das aus der Thüringer Universitätsstadt stammte.
Udo Lindenberg bei seinem Auftritt am Freitag Abend. Das Konzert ist eine Reaktion auf die rechtsextreme Mordserie eines Trios, das aus der Thüringer Universitätsstadt stammte.

Es ist das Motto der Aktion „Rock'n Roll Arena in Jena“. 50.000 Menschen sind gekommen, um sich gegen rechte Gewalt auszusprechen. Und um den kostenlosen Konzerten zu lauschen, von Alt-Rockern wie Udo Lindenberg, Peter Maffay, Silly, aber auch dem erfolgreichen Jungmusiker Clueso. In der 100.000-Einwohner-Stadt hat es einen solchen Auflauf noch nicht gegeben. Entsprechend euphorisch sind die Redner auf der Bühne. Mit Blick auf die dicht gedrängte Menschenmenge sprechen sie von einer „Freitagsdemo“, einer „Volksbewegung“, Clueso nennt es schließlich die „größte Demo gegen Rechts, die es je gegeben hat“. Ganz unrecht hat er nicht, doch ist es keine reine Demonstration. Plakate, Schilder oder Aufkleber hat fast niemand dabei. Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier finde ein völlig unpolitisches Festival statt. Aber kaum einer ist nur wegen der Musik gekommen. Egal wen man fragt, alle sind hier „um ein Zeichen zu setzen“. Gegen Rechtsextremismus. Für das Image der Universitätsstadt.

Jena ist in den letzten Wochen in Verruf geraten. Erst stellte sich heraus, dass das rechte Terror-Trio aus der Stadt stammt, dann brandmarkte die ZDF-Sendung „Aspekte“ den Ort als „Teil der ostdeutschen Angstzone“. Diese pauschale Verurteilung sorgte für so viel Empörung, dass sich der Aspekte-Chef am Montag in einer Podiumsdiskussion der Frage stellt: „Wie braun ist Jena wirklich?“

Für die Konzertbesucher steht die Antwort schon fest. „Wir sind eine aufgeschlossene Stadt mit vielen ausländischen Studenten, die keine Angst zu haben brauchen“, sagt eine Studentin. Sie steht um 16 Uhr, als das vierstündige Ereignis beginnt, vorne auf der großen Wiese – die Universität hat mit Blick auf den Aktionstag frei gegeben. Ebenso wie einige Schulen. Und das Theaterhaus hat seine Vorstellung abgesagt. Wenn das kein kollektives Zeichen ist.

Viele junge Menschen sind gekommen, auch Senioren, Rollstuhlfahrer, Familien mit Kindern. Aus der ganzen Region sind sie angereist, teilweise mit kostenlosen Sonderbussen. Der Ort des Konzerts ist bewusst gewählt. Vor vier Jahren kamen hier Tausende zusammen, um mit Sitzblockaden das rechtsextreme „Fest der Völker“ zu verhindern – das seitdem nicht mehr in Jena stattfindet. „Es gibt hier eine rechte Szene“, sagen ein paar Punks. Doch auch der Widerstand sei groß. „Eine Problemstadt ist Jena nicht. Eine Keimzelle schon gar nicht.“ Von der Bühne aus weist der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel darauf hin, dass Rechtsextremismus kein ostdeutsches Problem sei. „Das haben wir in ganz Deutschland!“

Nach einer Schweigeminute für die Opfer wird das Musikprogramm nur von kurzen Reden unterbrochen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) ist da, Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD), Jürgen Trittin (Grüne), Bodo Ramelow (LINKE). Auch Initiativen gegen Rechts kommen zu Wort. Sie fordern mehr staatliche Unterstützung und ein Ende der Diffamierung als linksextreme Vereinigungen.

Die Idee zu der Aktion hatte Sigmar Gabriel eine Woche zuvor. Gemeinsam mit Udo Lindenberg organisierte er schon in den 80er Jahren Konzerte für „Rock gegen Rechts“, in deren Tradition das Fest steht. Dass es die Stadt geschafft hat, innerhalb weniger Tage ein solches Großereignis zu konzipieren, ist erstaunlich. Die Kosten von 300.000 Euro waren schon vor Konzertbeginn durch Spenden eingeholt, beteiligt hatten sich das Land und viele Jenaer Unternehmen, Institute und Bürger. Überschüssiges Geld geht an Initiativen gegen Rechtsextremismus.

Die sind am Rand des Konzerts nur in der zweiten Reihe zu finden, hinter den Fressbuden. Zufrieden sind sie dennoch. Viele Menschen haben sich heute für ihre Arbeit interessiert. Ob das Konzert einen Impuls gibt, sich gegen rechte Gewalt einzusetzen, bezweifeln sie. Von der Bühne rufen Politiker, Musiker und Initiativen dazu auf, im Februar nach Dresden zu fahren und den jährlichen Nazi-Aufmarsch zu verhindern. Dann wird sich zeigen, ob das schöne Ausrufezeichen mehr war als ein Symbol.

Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Jetzt aber schnell!

Schenken was wirklich Freude macht. Für diejenigen, die schon alles haben, oder auf kapitalistischen Überfluss verzichten wollen.

Jetzt bestellen oder verschenken