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»Dinge können sich ändern«

Der Dokumentarfilm »Radioactivists« porträtiert die japanische Anti-AKW-Bewegung

  • Von Felix Werdermann
  • Lesedauer: 2 Min.
Seit über 30 Jahren gab es in Japan keine solchen Demonstrationen: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat das politische Bewusstsein geändert. Der Dokumentarfilm »Radioactivists« versucht, die neue Anti-AKW-Bewegung in Land zu verstehen.
Protest in Japan
Protest in Japan

Deutschland reagiert anders als Japan: Das ganze Ausmaß der Katastrophe von Fukushima war noch gar nicht bekannt, da gingen hierzulande schon Tausende auf die Straße. In der ganzen Republik versammelten sich Menschen zu Mahnwachen, kurze Zeit später wandelte sich die Trauer zu Wut und die deutsche Anti-AKW-Bewegung demonstrierte für ein Abschalten der Reaktoren. Ganz anders in Japan: Hier dauerte es einen Monat, bis Tausende gegen Atomkraft auf die Straße gingen.

Doch die Resonanz überraschte selbst die Organisatoren: Sie hatten 500 Teilnehmer angemeldet, gekommen sind 15 000 Menschen. In Japan sind das die größten Proteste seit den 70er Jahren. Die Reaktorkatastrophe hat ein neues politisches Bewusstsein geschaffen, vor allem unter jungen Menschen, das zeigt der Dokumentarfilm »Radioactivists« von Julia Leser und Clarissa Seidel.

Wie lässt sich der Wandel erklären? Fünf Aktivisten und Gesellschaftswissenschaftler - allesamt männlich - versuchen Antworten zu geben. Der Soziologe Yoshitaka Mori glaubt, das Problem sei die »Sozialstruktur« in Japan, die Fukushima erst möglich machte. Im Streben nach Wohlstand habe in den letzten Jahren die Zahl der Zeitarbeiter extrem zugenommen. »Diese soziale Klasse akzeptiert die Gefahren am Arbeitsplatz - und Atomkraft braucht solche Leute.«

Nun aber hat Fukushima das Bewusstsein geändert. »Früher konnten wir uns nicht vorstellen, dass Japan verschwindet, selbst bei einer großen Rezession«, sagt der Aktivist Hajime Matsumoto. »Aber jetzt haben wir gelernt: Nichts ist sicher.«

Das bringt Leute zum Nachdenken, aber noch nicht auf die Straße. Bisher waren Proteste praktisch unsichtbar. Die Polizei darf Demonstranten 23 Tage einsperren - ohne Grund. Aktivisten sprechen von einer »unterdrückenden Atmosphäre«.

Nun aber demonstrieren Tausende - und auf der Straße herrscht Partystimmung, Bands spielen, die Leute tanzen. Passt das zu dem ernsten Thema? »Der Grund dafür war offensichtlich, dass die Leute seit dem Erdbeben Möglichkeiten vermisst haben, mit anderen Menschen zusammen zu sein«, sagt Soziologe Mori. Ist das der Beginn einer neuen Protestkultur in Japan? Aktivist Matsumoto ist zuversichtlich: »Dinge können sich ändern.«

Radioactivists - Protest in Japan since Fukushima. D/J 2011, 72 Minuten. Berlin-Premiere: Sonntag, 11. Dezember 2011, 18 Uhr, Kino Moviemento.
Infos: www.radioactivists.org

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