Werbung

Oper auf Wanderschaft

Der Berliner Regisseur Arnold Schrem zieht mit einem Ensemble durch die Provinz

  • Von Haiko Prengel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Wanderoper in der Kulturfabrik Fürstenwalde: Alexandra Parshina und Nora Lentner als Hänsel und Gretl
Wanderoper in der Kulturfabrik Fürstenwalde: Alexandra Parshina und Nora Lentner als Hänsel und Gretl

Angesichts der Sparzwänge kommt Kultur oft zu kurz. In Brandenburg hat sie es besonders schwer: Es ist das einzige Bundesland, in dem es mit dem Staatstheater Cottbus nur noch ein einziges Mehrspartenhaus für Musik, Schauspiel und Tanz gibt. Überall sonst wurden die Ensembles teils schon vor vielen Jahren weggespart. Und auch die Existenz des Cottbuser Hauses ist gefährdet, weil die Stadt auf einem Schuldenberg sitzt.

Da lässt eine Idee des Berliner Opernregisseurs Arnold Schrem aufhorchen: die Wanderoper. Eine Handvoll Sänger und ein kleines Orchester reisen auf Initiative des 61-Jährigen neuerdings durch Brandenburg, um die Menschen in der Provinz ab und zu in den Genuss von Kultur zu bringen. Premierenstück ist die Familienoper »Hänsel und Gretel«. 2012 soll es weitergehen mit Mozarts »Zauberflöte«, einem Musical sowie dem Ballett »Max und Moritz«.

Ziel sei eine »theatralische Grundversorgung« in einem Land, das kulturell größtenteils ausgetrocknet sei, sagt Schrem. Die Sänger und Schauspieler wirbt er in Berlin an, wo es ein Überangebot an Künstlern gibt. Viele sind arbeitslos.

Nun ist es nicht so, dass in Brandenburg jenseits von Cottbus keine Opern mehr aufgeführt würden. Kammeroper in Rheinsberg, Oper Oder-Spree und Potsdamer Winteroper sind allerdings Veranstaltungen, die auf einige Wochen im Jahr beschränkt sind und nach Beobachtung von Schrem vor allem von Berliner Kulturtouristen besucht werden. »Die kulturelle Basisversorgung für die Einwohner der Mark wird davon nicht getragen, die wird immer dünner«, meint der 61-Jährige. Beispiel Bad Freienwalde: Die Stadt rühmt sich als älteste Kurstadt in Brandenburg, ein Stadttheater mit festem Ensemble sucht man vergeblich. Als Schrem Anfang November mit seiner Wanderoper in dem Ort Premiere feierte, war das auch für viele Freienwalder so etwas wie das erste Mal: Unter den Zuschauern saßen etwa die Schüler der 11. Klasse des örtlichen Bertolt-Brecht-Gymnasiums, die »vorher noch nie in einer Oper waren«, wie Schulleiterin Kristina Doerschel feststellen musste.

Die Resonanz der Schüler auf die Wanderoper sei durchweg sehr gut ausgefallen, sagt Doerschel. »Die Sänger haben ja auch Beachtliches geleistet.« Doerschels angehende Abiturienten scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein: Bald will sie mit ihrer 11. Klasse zur Staatsoper nach Berlin fahren.

»Man braucht eine musische Bildung und Erziehung, um ein kompletter, reifer, entfalteter Mensch zu werden«, sagt dazu Wanderoper-Gründer Schrem. »Andernfalls gibt es bald nur noch Technokraten.«

Im brandenburgischen Kulturministerium ist man auf Regisseur Schrems Projekt schon aufmerksam geworden. Die Wanderoper sei eine gute Ergänzung im Genre Musiktheater, sagt Kulturministerin Sabine Kunst (für SPD). Bei einer entsprechenden Eigenbeteiligung der Kommunen werde es Landesmittel zur Unterstützung geben.

Eine Austrocknung der brandenburgischen Kulturlandschaft kann die promovierte Ingenieurwissenschaftlerin aber nicht erkennen: Davon könne bei einem Staatstheater, fünf kommunalen Schauspielhäusern, elf Theatern in freier Trägerschaft und sechs geförderten Orchestern keine Rede sein.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!