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Banken brauchen 115 Milliarden Euro

Kapitalbedarf spanischer Institute fast so hoch wie bei griechischen Geldhäusern

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat zum Beginn des EU-Gipfels in Brüssel den Kapitalbedarf für europäische Großbanken veröffentlicht.

Die in London ansässige EBA erwartet, dass europäische Geldinstitute fast 115 Milliarden Euro benötigen, um die neue Kernkapitalquote zu erfüllen, die auf dem letzten Gipfel im Oktober beschlossen wurde. Demnach benötigen bedeutsame Banken neun Prozent Kernkapital »höchster Güte«. Hatte die EBA in einem »Blitz-Stresstest« im Oktober einen Rekapitalisierungsbedarf von 106,5 Milliarden Euro ermittelt, fallen die neuen Ergebnisse noch schlechter aus.

Vor allem für deutsche Institute ergibt sich ein deutlich höherer Kapitalbedarf. Hier spielt der fortgesetzte Preiszerfall der Anleihen von südeuropäischen Staaten eine Rolle. Hatte die EBA im Oktober ermittelt, dass die 13 bedeutenden deutschen Banken knapp 5,2 Milliarden Euro benötigen, geht man in London nach verschärften Kriterien nun davon aus, dass die Summe mit 13,1 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch ist. Wie erwartet hat die teilverstaatlichte Commerzbank mit 5,3 Milliarden Euro den größten Bedarf, um bis Ende Juni 2012 die neuen Kriterien zu erfüllen. Danach kommt die Deutsche Bank, die 3,2 Milliarden benötigt. Erwartungsgemäß brauchen auch Landesbanken viel Geld, die NordLB (2,5 Milliarden), die Helaba (1,5 Milliarden) und die WestLB (224 Millionen Euro). Letztere gehört nicht mehr auf die Liste der 13 Großbanken, weil sie zerschlagen wird. Etwas mehr Geld als die WestLB benötigt die genossenschaftliche DZ Bank mit 353 Millionen Euro.

In andere Sphären stoßen spanische Banken vor. Wurden sie lange als Musterschüler behandelt, wie noch im Stress-Test vor einem Jahr, ist diese Einschätzung auch offiziell längst hinfällig. Vor allem für die große Banco Santander kommt es knüppeldick. Allein sie braucht Kapital in einem Umfang von 15,3 Milliarden Euro. Die Santander braucht mehr Geld als alle deutschen Instituten zusammen, und ihr Kapitalbedarf ist seit Oktober weiter gestiegen.

Die italienische Unicredit benötigt mit acht Milliarden nur etwa die Hälfte und auf dem dritten Rang folgt die zweite spanische Bank. Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) braucht 6,3 Milliarden, doch ihr Kapitalbedarf ist seit Oktober um über 700 Millionen Euro gesunken.

Insgesamt beläuft sich der bedarf der fünf geprüften spanischen Großbanken, zu denen auch noch Bankia, La Caixa und die Banco Popular gehören, auf mehr als 26 Milliarden Euro. Übertroffen wird die Summe nur noch von den 30 Milliarden, die für Griechenland veranschlagt werden. Das Land lief wegen des beschlossenen freiwilligen Schuldenschnitts von 50 Prozent außer Konkurrenz. Auffällig ist aber, dass Spanien und Griechenland gemeinsam fast die Hälfte des gesamten Kapitalbedarfs in Europa haben.

Da die Arbeitslosigkeit in Spanien weiter stark ansteigt und damit die Kreditausfallquote immer neue Rekorde bricht, werden weitere Löcher in die Bilanzen gerissen. Das zeigt sich auch bei der Bankia, eine mit Steuermilliarden beförderte Fusion von sieben gestrauchelten Sparkassen, die wie die Banco Popular und die Caixabank ebenfalls mehr Geld als zuvor ermittelt benötigen.


Lexikon

Die Kernkapitalquote (englisch: »Tier«) wird berechnet, indem man das Kernkapital (damit ist das unmittelbar haftende Eigenkapital gemeint) durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Sie sagt also aus, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind. Wer mehr Kernkapital hat, kann Verluste besser abfedern. nd

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