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Kulinarische Botschafter

Die Thüringer Rostbratwurst soll das Bundesland in Europas Metropolen bekannter machen

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mit einem durchdachten Vermarktungskonzept wollen ein Jenaer Traditionsfleischermeister und ein gewiefter Marketingfachmann handgemachte Genüsse »Made in Thuringia« an den Feinschmecker bringen. Und das künftig möglichst europaweit.

Was eine echte Thüringer Rostbratwurst ist, legte mittlerweile sogar die EU mittels strenger Normen fest. Sie muss mindestens 15 Zentimeter lang und mittelfein gemetzgert sein. Sie darf wahlweise roh oder gebrüht in einem engen Naturdarm stecken, doch die würzige Geschmacksnote muss sie klar als Thüringer Produkt ausweisen. Mehr als die Hälfte der verwendeten Rohstoffe hat darum auch aus Thüringen zu stammen.

Dahinter steckt kein Stammtisch-Regelwerk - alles ist bereits durch Brüsseler Markenexperten geadelt. Wird die Thüringer Rostbratwurst doch seit dem 6. Januar 2004 als regionales Produkt ähnlich streng geschützt wie etwa französischer Cognac, Schwarzwälder Schinken oder Sherry aus spanischen Kellern. Das älteste bekannte Rezept für eine Thüringer Bratwurst lässt sich übrigens im Staatsarchiv Weimar nachlesen. Es geht auf die »Ordnung für das Fleischerhandwerk zu Weimar, Jena und Buttstädt« vom 2. Juli 1613 zurück.

So weiß auch Harald Puhlfürß schon von Kindheit an, dass zur Herstellung der Thüringer Rostbratwurst »fein gehacktes Schweinefleisch benötigt wird, eventuell auch entsehntes Kalb- oder Rindfleisch, welches man dann mit Salz und Pfeffer sowie Kümmel, Majoran und Knoblauch nach speziellen Hausrezepten abschmeckt, schließlich gut vermengt und in einen sehr feinen Schweinedarm oder Schafsaitling füllt«.

Schlemmertreff im Internet

Der 45-jährige entstammt in vierter Generation einer Fleischerdynastie in Jena-Lichtenhain. Folglich erlernte auch er dieses Handwerk. Doch da sich der alte Betrieb in einem Wohngebiet befand, musste man 1999 den Standort wechseln. Mit seinem Vater Wolfgang beteiligte sich Puhlfürß - nun selbst schon Fleischermeister - an einer Genossenschaft. Fortan handelte er verstärkt auch mit Wurst- und Fleischwaren, die andernorts produziert wurden. Und ab 2004 wagte er sich gar in ein Metier, über das manch konventioneller Kollege bis heute die Nase rümpft - den Onlinehandel via Internet.

Mit der Zeit kamen weitere Vertriebsschienen hinzu. Puhlfürß etablierte etwa in Jenas Gewerbegebiet Tatzendpromenade einen »Schlemmertreff«, in dem auch Internetmuffel einkaufen können. Daneben rollte er mit einem Verkaufswagen bei diversen Festen und Veranstaltungen vor. »Quasi als kulinarischer Botschafter Thüringens«, erzählt er. Seine mobile Theke fiel dabei durch besondere Raffinessen auf: Im selben Anhänger werden sowohl frische Roster gebrutzelt als auch Bier gezapft. Denn irgendwann ging es ihm um mehr als die Wurst. Zur Roster gesellten sich peu à peu weitere Spezialitäten »Made in Thuringia«.

Doch ein Fleischermeister ist kein Marketing-Profi. So besann sich Puhlfürß seines alten Freundes Gerd-Uwe Hoffmann. Man kannte sich noch aus einer NVA-Sportkompanie. Werbefachmann Hoffmann, der eine große norddeutsche Biermarke im Osten vermarktete, war sofort begeistert. Beide setzten sich hin, entwickelten Strategien und Konzepte und gründeten dieses Jahr in Jena die Schlemmertreff Thüringen GmbH. Schon seit Jahresbeginn ist auch der Schlemmershop online. »Diese Idee mauserte sich inzwischen erfolgreich. Um die 4000 Kunden hat der Schlemmertreff im Internet bereits und täglich kommen neue hinzu«, freut sich Puhlfürß. Hier können auch Apoldaer Bier, Altenburger Senf, Jenaer Nudeln, Nordhäuser Spirituosen, Weimarer Kaffee, Rosinenstollen aus dem Thüringer Wald oder Weine aus Bad Sulza geordert werden.

»Alles ausnahmslos aus Thüringen«, versichert Hoffmann. Um bei alledem nicht nur im Gaumen Appetit auf das Land zu machen, lässt sich hier auch noch ein Film über die Schönheiten Thüringens anschauen.

Auf Franchise-Basis

Bestellungen kämen selbst aus Frankreich, Italien, den Benelux-Staaten, sagt Hoffmann. Das Ausland hat er indes nicht nur virtuell im Visier. Denn künftig will das Duo sogar eine Verkaufskette auf Franchise-Basis gründen. »Und zwar ganz gezielt in Europas Metropolen, von Stockholm bis Paris«, so Puhlfürß. Eingebettet in ein nobles Verkaufsumfeld solle hier dann überall nach und nach eine kulinarische »Botschaft Thüringens« öffnen.

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