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Warten auf Erklärungen

Burghausener Fans wurden in Chemnitz zusammengeschlagen - der Verein schlägt Alarm

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Heute tritt der SV Wacker Burghausen in der 3. Liga bei Rot-Weiß Oberhausen an. Die Erlebnisse der letzten Auswärtsreise sind aber noch längst nicht verarbeitet. Am 3. Dezember kam es am Rande der Partie beim Chemnitzer FC zu massiven Übergriffen auf die rund 80 mitgereisten Fans durch Ordner und Polizei sowie rassistische Beleidigungen gegen Spieler und Anhänger.

Die Vereinsführung um Geschäftsführer Florian Hahn hatte sich danach Zeit genommen, um eine genaue Auswertung des ihm vorliegenden Bild- und Videomaterials sowie der Augenzeugenberichte vorzunehmen. Dem Aufruf des Klubs auf der Homepage vom 8. Dezember, bei der Aufklärung der Vorfälle mitzuhelfen, folgten viele. Das Bild, das sich daraus für Hahn ergab, war erschreckend. In einem offenen Brief wandte er sich letztlich am Donnerstag an den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Zum einen, weil er dem Ganzen machtlos gegenüberstand. Zum anderen, weil immer noch keine nennenswerte Reaktion seitens des Verbandes, des Chemnitzer FC oder der Chemnitzer Polizei erfolgt war.

Was war passiert? Nach der Partie wurden die Fans von Wacker Burghausen am Ausgang ihres Blocks von zahlreichen Ordnern und einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Bereitschaftspolizei, die in voller Kampfmontur angetreten war, »empfangen«. Ein Grund für diese aggressive Maßnahme ist noch nicht bekannt.

Hinzu kamen laut Zeugenaussagen verbale Drohungen der Ordner. »Freut euch auf das Verlassen des Stadions.« Oder: »Gleich liegen Sie im Dreck wie die Juden damals.« Schon da ahnten die Gäste aus Burghausen, dass Schlimmes auf sie zukommen würde.

Und die Einheit der Bereitschaftspolizei machte mit. »Auf den Boden!«, lautete deren grundlose Aufforderung an die Burghausener Fans. Wer nicht Folge leistete, wurde gewaltsam dazu gezwungen. Als Florian Hahn am Ort des Schreckens eintraf, sah er »blutverströmte Gesichter, weinende Frauen und Kinder«. Ein Burghausener Fan lag gar regungslos im Bus, die meisten waren nicht ansprechbar. Nach den Tritten der Sicherheitsbeamten musste eine schwangere Frau mit Unterleibsblutungen während der Rückfahrt sofort in ein Krankenhaus, zehn weitere Burghausen- Anhänger mussten nach der Rückkehr ärztlich behandelt werden.

Seine Ansicht formuliert Hahn in dem Brief an den DFB so: »Scheinbar wahllos wurde gegen unsere Fans gewalttätig vorgegangen. Von der Absicht, eine Deeskalation der Situation herbeizuführen, kann keine Rede sein. Ich würde sogar soweit gehen und den handelnden Personen pure Absicht unterstellen.« Letzteres meint er ebenso über rassistische Beleidigungen des Burghausener Spielers Darlington Omodiagbe durch »zwei Personen in offiziellen CFC-Vereinsjacken«.

Von den verantwortlichen Stellen kommt auch knapp zwei Wochen danach nichts Erhellendes. »Zu laufenden Ermittlungen geben wir keine Auskunft«, so die Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge Jana Kindt. Auch nicht zu den Anzeigen gegen vier Polizisten. Laut Michael Morsch von der DFB-Pressestelle wurden beide Vereine in dieser Woche um eine Stellungnahme gebeten. Auch dort wird es dann mit der Auswertung noch eine Weile dauern. Viel zu lange schon, meint man nicht nur in Burghausen.

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