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Großbaustelle Commerzbank

Kapitallücke wird kleiner, aber neuerliche Staatshilfe ist nicht ausgeschlossen

  • Von Friederike Marx und Erik Nebel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Kapitallücke ist groß, der Aktienkurs im Keller, Gerüchte über weitere Staatshilfen machen die Runde - die Commerzbank kommt nicht zur Ruhe.

Gute Nachrichten sind selten geworden für die Commerzbank, doch in dieser Woche gab es immerhin zwei Lichtblicke: Die Großbank, die seit der Finanzkrise zu gut einem Viertel in staatlicher Hand ist, kommt beim Stopfen ihrer Kapitallöcher durch den erfolgreichen Rückkauf von Anleihen voran, der mit über 700 Millionen Euro positiv zu Buche schlägt. Und der Staat will bei der Reaktivierung des Bankenrettungsfonds Soffin auf Zwangsmaßnahmen verzichten. Bis Ende Juni muss die Commerzbank eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen, die der neuerliche Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA ergab; erneute Staatshilfe will sie unbedingt vermeiden. Schon bis 20. Januar muss die Bank der Finanzaufsicht Bafin erläutern, wie sie die Kapitallücke schließen will.

Sparen heißt daher die Devise: Weihnachtsfeiern werden gestrichen, Kreditengagements heruntergefahren, Randgeschäfte sollen verkauft werden. Letzteres ist in Krisenzeiten kein einfaches Unterfangen. An ihren profitablen Töchtern Comdirect und BRE Bank (Polen) will die Commerzbank festhalten. Inzwischen schießen Spekulationen ins Kraut. Eine davon lautet, die Bank könnte sich vom Investmentbanking trennen. Das aber zählte bislang zum Kerngeschäft und erwirtschaftete zuletzt vergleichsweise gute Ergebnisse. Zudem könnte die Bank Gewinne einbehalten, anstatt sie als Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Wie hoch der Gewinn ausfällt, hängt aber von der weiteren Entwicklung der Euro-Schuldenkrise ab. Wegen hoher Abschreibungen auf Staatsanleihen aus Athen hatte die Commerzbank im dritten Quartal rote Zahlen geschrieben und ihre Prognose für das Gesamtjahr kassiert.

Als Kernproblem gilt die Krisentochter Eurohypo, die die Bank auf EU-Geheiß bis 2014 loswerden muss, aber als unverkäuflich gilt. Der Immobilienfinanzierer hat einen Großteil der Staatsanleihen aus den Euro-Krisenstaaten, die die Commerzbank so schwer belasten, in seinen Büchern. Eine Auslagerung der Eurohypo in eine staatliche »Bad Bank« wäre die »eleganteste und gesichtswahrendste Lösung«, sagt Bankenexperte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance. Allerdings ist diese Lösung im politischen Berlin umstritten.

Theoretisch könnte sich die Commerzbank auch über den Aktienmarkt frisches Kapital verschaffen. Eine Kapitalerhöhung gilt aber als wenig erfolgversprechend. Bankaktien gehören seit der Finanzkrise zu den verlustreichsten Titeln. Das Papier der Commerzbank ist mit aktuell etwa 1,30 Euro auf dem besten Weg zu einem sogenannten Penny-Stock. Bliebe als letzter Ausweg also doch nur weitere direkte Staatshilfe. »Das würde der Bank Luft und Zeit verschaffen und macht auch volkswirtschaftlich Sinn«, sagt Faust. Die Bank müsste ihr Kreditgeschäft nicht herunterfahren.

Den erneuten Gang zum Staat will die deutsche Nummer zwei allerdings mit allen Mitteln vermeiden. Bank-Chef Martin Blessing hat sein berufliches Schicksal damit verknüpft: »Ich gehe da nicht noch mal hin.«


Lexikon

Die Eurohypo, Commerzbank-Tochter mit Sitz im hessischen Eschborn, ist auf die Immobilien- und Staatsfinanzierung spezialisiert. Gegründet wurde sie 2002, als Commerz-, Dresdner und Deutsche Bank ihre Hypothekentöchter zusammenlegten. Die Bilanzsumme beträgt rund 200 Milliarden Euro. Sie schreibt aktuell hohe Verluste und macht kaum noch Neugeschäft. nd

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