Von Hans-Gerd Öfinger

Noch uneins über Forderungen

IG Metall bereitet sich auf Metall- und Elektrotarifrunde 2012 vor

Die IG Metall debattiert über die Forderungen für die Metall- und Elektrotarifrunde 2012. Konkretes wird indes erst Ende Februar bekanntgegeben. Diskussionen drehen sich um eine »angemessene« Lohnforderung, Leiharbeit und die unbefristete Übernahme nach Ausbildungsende.

Die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie im kommenden Frühjahr wirft ihre Schatten voraus. Während am Wochenende Wirtschaftsverbände und Forschungsinstitute vor einer Rezession in den stark exportabhängigen Staaten warnten, berieten in Frankfurt am Main die Tarifkommissionen der IG Metall für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen die Marschroute. Die derzeit gültigen Tarifverträge enden zum 31. März 2012. Unter ihren Geltungsbereich fallen rund 380 000 Beschäftigte.

Konkret erst im Februar

Konkrete Forderungen wurden bei der Frankfurter Zusammenkunft dem Vernehmen nach noch nicht aufgestellt. Nach IG-Metall-Angaben standen aber eine Erhöhung der Löhne und Gehälter, eine unbefristeten Übernahme Ausbildungsende und eine Regelung zum Einsatz von Leiharbeitnehmern im Mittelpunkt der Aussprache. Zu konkreteren Vorstellungen über die Ausgestaltung der Forderungen wollte sich der für die vier Bundesländer zuständige Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild auf nd-Anfrage nicht äußern. Die Tarifkommission wird ihre endgültigen Forderungen erst am 23. Februar aufstellen.

Ob die Gewerkschaft nun auch im Bezirk Frankfurt alle Kraft daran setzen wird, den ausufernden Einsatz von Leiharbeitern und das starke Gefälle bei Einkommen und Arbeitsbedingungen zu begrenzen, ist offen. In der Stahlindustrie war es der IG Metall im Herbst 2010 gelungen, erstmals die Gleichbezahlung von Leiharbeitern per Tarifvertrag durchsetzen. Dieses Ziel dürfte in der metallverarbeitenden Industrie mit einem deutlich höheren Anteil von Leiharbeitern allerdings mehr Druck erfordern. Etliche Leiharbeiter liegen um bis zu 50 Prozent unter dem Lohniveau im Einsatzbetrieb, manche sind Hartz-IV-Aufstocker. Zu den besonders krassen Beispielen zählt ein mittelhessischer Betrieb, in dem nach Angaben eines IG-Metall-Funktionärs 250 von 450 Beschäftigten Leiharbeiter sind. Über Leiharbeit will die IG Metall mit den Arbeitgebern bereits Mitte Januar reden.

Was ist angemessen?

Im Vorfeld der Tarifrunde 2012 sei sich der IG-Metall-Vorstand unschlüssig darüber, ob eine hohe Lohnforderung angebracht sei, sagte ein Betriebsratsvorsitzender aus dem Rhein-Main-Gebiet dieser Zeitung. Er habe gewerkschaftsintern vernommen, dass IG-Metall-Vize Detlef Wetzel hinter den Kulissen für eine Mäßigung in der Lohnrunde werbe und argumentiere, dass sich eine schwierige wirtschaftliche Lage anbahne. Demgegenüber sei die Stimmung an der Basis in vielen Betrieben aber noch von Umsatzsteigerungen von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr geprägt, so der Betriebsrat. In vielen Firmen sei 2011 sogar der Produktionsstand des Booms vor der Krise 2008 übertroffen worden. Manche Firmen hätten auch neue Arbeiter eingestellt, so der Metaller: »Daher sagen unsere Kollegen: Jetzt sind wir mal dran mit einer kräftigen Lohnerhöhung.« Vor diesem Hintergrund seien an der Basis Lohnforderungen zwischen fünf und sieben Prozent im Gespräch. Er sei »überrascht«, dass zumindest in seinem Bereich erstaunlich viele Beschäftigte auch die Forderung nach einer Einmalzahlung zwischen 200 und 300 Euro für angemessen hielten, so der Betriebsrat.

Was davon am 23. Februar übrig bleibt, muss sich zeigen. Im Gegensatz zum Bezirk Stuttgart mit seiner starken Konzentration von Großbetrieben der Autoindustrie und Zulieferern in Nordwürttemberg und Nordbaden sowie dem Bezirk NRW sei der Bezirk Frankfurt in den letzten Jahren »nicht durch eine hohe Intensität der Diskussion aufgefallen«, so der ehrenamtliche IG-Metall-Funktionär. In den zurückliegenden Jahrzehnten ging die Pilotfunktion für bundesweite Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektrobranche meist von Stuttgart aus.

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