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Vorsicht beim Verkauf - der Ankaufswert liegt erheblich unterm realen Wert

Ein gefährlicher Goldrausch

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Gold gehört zu den Gewinnern der Krise. Seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise eilte der Preis von Hoch zu Hoch, um erst beim Rekordwert von fast 2000 Dollar für die Feinunze umzukehren. Zurzeit kostet die Feinunze (31,1 Gramm) rund 1700 US-Dollar und damit weiterhin sehr, sehr viel. Bis zur Krise waren Preise von 600 oder gar nur 400 Dollar üblich.

Experten gehen von einem langfristigen Hoch aus. »Dafür kann man diverse Faktoren nennen«, sagt Norman Rudschuck, Goldexperte der Norddeutschen Landesbank (NordLB). »Seit vier Jahren haben wir Finanzmarktkrise.« Dazu komme die noch größere Angst, dass »uns die ganze Ökonomie um die Ohren fliegt«.

Zudem traten die Zentralbanken früher immer als Nettoverkäufer auf, das heißt: Die Notenbanken weltweit haben unterm Strich mehr Gold ver- als gekauft. Angesichts der internationalen Diskussionen, ob der Dollar noch Leitwährung ist, schichten viele Notenbanken wie beispielsweise Russland, China und Mexiko ihre Anlagen seit Jahren wieder um und investieren in Gold. Dabei geht es dann nicht um ein paar Feinunzen, sondern immer gleich um Hunderte Tonnen. Das treibt den Goldpreis nach oben, und die Nachfrage ist steigend. Das gesamte Goldvorkommen auf der Erde passt in einen Würfel mit einer Kantenlänge von nur 20 Metern. Es besteht also aus Sicht der Analysten für Sparer keine Notwendigkeit, sich übereilt von Gold zu trennen.

Zwielichtige Händler sind im Anmarsch

Gold hat also Hochkonjunktur. Das zieht zwielichtige Gestalten an. Professionelle Goldhändler ziehen von Stadt zu Stadt, mieten dort kurzzeitig leer stehende Läden und Räume an und machen teures Gold zu kleiner Münze: Bestecke, Medaillen, goldene Ringe.

Doch Vorsicht! Der Ankaufspreis liegt oft erheblich unter dem realen Wert des Edelmetallanteils. So wurden in einer norddeutschen Stadt einem Kunden für einen »Eagle«, das ist eine US-amerikanische Goldmünze im Nennwert von zehn US-Dollar, nur 90 Euro geboten. Zum Glück ging der Verbraucher nicht auf dieses Geschäft ein. Ein seriöser Händler bot dem Kunden statt 90 Euro 430 Euro - fast fünfmal mehr. Inzwischen dürfte der Marktpreis mindestens das Doppelte oder Dreifache betragen.

Vorsicht sei bei »fliegenden Händlern« geboten, die nur für kurze Zeit Räume anmieten und dann auch zeitlich begrenzt ihr Angebot anpreisen, mahnt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Dies gelte bei Käufen genauso wie bei Verkäufen. Solche Goldverkäufe haben noch einen zweiten Haken: Der goldene Ehering oder die goldene Uhr sind unwiederbringlich verloren.

Für kurzfristigen Kredit besser zum Leihhaus

Der Zentralverband der Deutschen Pfandkreditbetriebe rät deshalb: »Wer einen kurzfristigen Kredit braucht, ist im Leihhaus viel besser aufgehoben.« Das gelte sogar für Gewerbe und Handwerk. Der Kredit von einer Bank dauere oft zu lange. Das Pfand könne später wieder ausgelöst werden, und obendrein gebe es mehr Geld als bei unseriösen Händlern. Pfandkreditunternehmen haben kein Interesse daran, Wertgegenstände möglichst gering zu taxieren«, erklärt Verbandschef Joachim Struck. »Unser Verdienst hängt von der Höhe der gewährten Darlehen ab.«

Dazu schätzen Pfandleiher den Marktpreis der angebotenen Gegenstände ab und ziehen eine Sicherheitsmarge von mindestens 20 Prozent ab. Die verbleibenden etwa 80 Prozent können an den Kunden als Kredit ausgezahlt werden.

Wenn der Leihhauskunde später wieder bei Kasse ist, kann er den verpfändeten Gegenstand abholen. Die Mehrzahl tut dies auch tatsächlich: Mehr als neun von zehn Pfändern werden von ihren Eigentümern ausgelöst, berichtet Struck. Im Regelfall geschehe dies nach etwa drei Monaten.

Doch auch Pfandleihen haben ihren Preis: Bei der Wiederabholung des Goldbarrens oder der goldenen Uhr zahlt der »Verpfänder« - so der Branchenbegriff für den Kunden - pro Monat Kreditlaufzeit einen Zins von einem Prozent. Umgerechnet auf ein Jahr ergibt dies einen stattlichen Zinssatz von 12 Prozent. Damit kostet der Pfandkredit allein an Zinsen schon doppelt so viel wie ein üblicher Konsumentenkredit und genau so viel wie ein gebräuchlicher Überziehungskredit vom Girokonto.

Aber selbst der Dispo ist letztlich deutlich preiswerter als die Pfandleihe. Denn der Verpfänder muss neben dem hohen Zinssatz auch noch für die Kosten des Geschäftsbetriebes zahlen. Die Vergütung richtet sich nach der Höhe des Darlehens. Bei einer goldenen Uhr, für die der Pfandleiher ein Darlehen von 300 Euro vergibt, werden monatlich 6,50 Euro fällig. Aufs Jahr gerechnet entspricht diese Gebühr einem Zinssatz von 26 Prozent. Zusammen mit dem regulären Zinssatz kostet eine Pfandleihe dann unterm Strich 38 Prozent pro Jahr! Zudem darf der Pfandleiher noch die (meist geringen) Kosten für die Verwertung, beispielsweise auf einer Auktion, in Rechnung stellen. Der Pfandkredit kommt damit dreimal so teuer wie das Überziehen des Girokontos.

Verordnung für gewerbliche Pfandleiher

Die Bedingungen für die Pfandleihe, für Zinsen und Gebühren sind vom Gesetzgeber in der »Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher« vom 1. Februar 1961 geregelt. Interessierte Verbraucher sollten sich die konkreten Bedingungen des Pfandhauses ganz genau ansehen, bevor sie einen Wertgegenstand verleihen. Die Branche erfreut sich seit Jahren an einem »kontinuierlichen Wachstum«, so Verbandschef Struck. Mehr als eine Million Kunden wurden in diesem Jahr begrüßt. Der Umsatz im Jahr 2011 wird auf etwa 550 Millionen Euro geschätzt. Tendenz steigend.

HERMANNUS PFEIFFER

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