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Endlich einen Großen geschlagen

Der FC St. Pauli verabschiedet sich mit einem 2:0-Sieg über Eintracht Frankfurt in die Winterpause

  • Von Alexander Ludewig, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nicht mal mehr freuen konnte sich Philipp Tschauner. Mit dem Abpfiff sank der Torwart des FC St. Pauli zu Boden. Sein Team hatte gerade das Spitzenspiel der 2. Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0) gewonnen, doch die Schmerzen zwangen ihn in die Knie. An ausgelassenen Jubel war nicht zu denken. Eine Erlösung war das Spielende dennoch. Nach einem Zusammenprall hatte sich der 26-Jährige schwer an der Schulter verletzt und quälte sich die letzten Minuten durch die Partie.

Die anschließenden »Tschauner, Tschauner!«-Rufe im mit 24 487 Zuschauern ausverkauften Millerntor waren aber nicht nur Aufmunterung, sondern auch Anerkennung und Dank. Der Torwart hatte mit überragenden Paraden seinen Kasten sauber gehalten und den Sieg gesichert. Selbst mit der verletzten Schulter warf sich Tschauner noch in Zweikämpfe und Bälle. Auch so etwas mögen sie auf St. Pauli - Einsatz und Leidenschaft.

Diese Tugenden hatten den Frankfurtern auch an diesem Abend gefehlt. »Wir haben viel mehr Potenzial, aber St. Pauli hat als Mannschaft dagegengehalten«, so Pirmin Schwegler. In der Tat ist die Eintracht in der Zweiten Liga ein Team mit überdurchschnittlich guten Individualisten. Wie Alexander Meier, der nach neun Minuten die erste Chance des Spiels hatte. Aus sieben Metern scheiterte er an Tschauner. Wie Sebastian Rode. In der 34. Minute ließ er Fabio Morena wie einen Anfänger stehen, konnte Tschauner aus zehn Metern aber auch nicht überwinden. Oder wie die Stürmer Theofanis Gekas und Mohamadou Idrissou. Für letzteren hieß nach 53 Minuten Tschauner die Endstation, wenig später für den Griechen.

»Wir haben das Spiel dominiert«, schätzte Eintracht-Trainer Armin Veh richtig ein. Die Frankfurter hatten mehr Chancen und Ballbesitz sowie die reifere Spielanlage. Das Problem? Wenn auch vorsichtig, ein »Mentalitätsproblem« wollte Veh nicht leugnen. Auf dem Platz wurde es auffällig, als Idrissou und Gordon Schildenfeld mehrfach lautstark und gestenreich aneinander gerieten. »Wir müssen eine Einheit werden«, stellte Kapitän Schwegler gleich die Hausaufgaben für die Weihnachtspause.

Keine leichte Aufgabe. Zum einen wiederholte Veh den Wunsch nach neuen Spielern. Diese müssten dann erst einmal integriert werden. Zum anderen werden die Frankfurter, obwohl momentan nur auf Platz drei, weiter die Gejagten sein. Der haushohe Favorit mit dem größten Etat, den man unbedingt schlagen will.

So wie St. Pauli am Montagabend. »Endlich ist die Presse ruhig, weil wir jetzt einen Großen geschlagen haben«, freute sich Patrick Funk. Die Tore fielen folgerichtig nach einer Standardsituation und einem Konter. Morena (32. Minute) brachte die Gastgeber nach einer Ecke in Führung, Max Kruse (68.) besorgte den Endstand. Die Hamburger liegen nun punktgleich nur einen Platz hinter der Eintracht. »Eine Position, die alles möglich macht«, denkt Pauli-Trainer Andre Schubert an den Aufstieg.

Der Sieg gegen die Eintracht stand nicht nur wegen des spielerisch starken Gegners auf der Kippe. Nachdem der Frankfurter Schwegler von einer Kassenrolle aus dem Pauli-Fanblock am Kopf getroffen wurde, drohte Schiedsrichter Felix Zwayer mit einem Spielabbruch, wenn noch ein weiterer Gegenstand auf das Feld geworfen würde. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat am Dienstag ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Hamburger müssen mit einer empfindlichen Strafe rechnen, da schon im April Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher am Kopf getroffen worden war. Es war nicht die einzig schlechte Nachricht: Auf Torwart Tschauner muss St. Pauli wohl länger verzichten.

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