Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

An der Oberkante des Bombentrichters

Gepanzerter Bagger gräbt in Neuhausen weiter nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Vorweihnachtsstimmung in Neuhausen bleibt getrübt. Erst explodieren dort alte Panzerminen, dann wird eine Trinkwasserleitung beschädigt. Doch die Suche nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg geht weiter. Es kann aber nach Einschätzung von Innenminister Dietmar Woidke (SPD) noch mehrere Tage dauern. »Die Sicherheit geht vor«, sagte er am Mittwoch bei einem Besuch in der Gemeinde im Kreis Spree-Neiße.

Woidke informierte sich an einer Landstraße, wo in der vergangenen Woche zweimal Panzerminen der faschistischen Wehrmacht unkontrolliert explodiert waren, über den Stand der Arbeiten. Die Suche nach Munition soll am Freitag vorerst beendet werden - für den Weihnachtsfrieden. Bei Bedarf müsse nach den Festtagen weitergesucht werden, sagte Bürgermeister Dieter Perko (CDU).

Derweil gräbt ein gepanzerter Spezialbagger in einem alten Bombentrichter nach weiteren Riegelminen. Dies sind Blechkästen mit 4,5 Kilogramm Sprengstoff, die im Frühjahr 1945 in Neuhausen gegen Panzer der Roten Armee eingesetzt wurden. »Der mit einer Videoanlage ausgerüstete Bagger hat inzwischen ein 15 Meter breites und bis fünf Meter tiefes Loch gegraben«, sagte der Kampfmittelexperte Mario Büchner. »Wir sind erst an der Oberkante des Bombentrichters.«

Da der zum Kriegsende zugeschüttete Trichter teilweise unter der Landstraße liege, habe man bisher eine Fahrbahnseite abgetragen. In dem Krater seien Metallteile geortet werden. »Wir wissen noch nicht genau, in welcher Tiefe sie liegen«, sagte Büchner. Der Bagger arbeite sich langsam an diese Teile heran und lege sie dann frei. Ein Splitterschutz sichere zwei Häuser in Sichtweite.

Die Unglücksstelle bleibt weiträumig abgesperrt, weil Lebensgefahr besteht. Die zwölf Bewohner von zwei benachbarten Mehrfamilienhäusern müssen ihre Quartiere tagsüber verlassen, wenn im Krater gegraben wird. Die Leute sind bei Verwandten und Bekannten untergekommen, erklärte Bürgermeister Perko. Die Gemeinde habe zudem Ferienbungalows bereitgestellt. Abends können die Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die Suche war am Dienstag kurz nach dem Start unterbrochen worden, weil der Bagger eine Trinkwasserleitung in dem alten Bombentrichter am Ortsrand beschädigt hatte. Wie der Bürgermeister berichtete, waren 36 Bewohner in dem 400 Einwohner zählenden Ort zeitweise ohne Trinkwasser. Sie wurden zunächst per Tankwagen versorgt. Inzwischen sei eine Ersatzleitung errichtet worden, hieß es.

Brandenburg ist nach Angaben des Innenministeriums bundesweit das Bundesland mit den meisten militärischen Kriegsaltlasten. Es gebe etwa 380 000 Hektar Verdachtsflächen, davon seien 80 000 Hektar gesperrt. Jährlich gebe das Land zehn Millionen Euro für die Beseitigung alter Bomben und Granaten aus. Die Hälfte der Kosten entfalle auf das nördlich von Berlin gelegene Oranienburg. Beide Städte waren häufig das Ziel alliierter Bomber. Die Kosten für die Munitionsberäumung in Brandenburg belaufen sich seit 1990 auf mehr als 300 Millionen Euro, davon trug der Bund ein Drittel. Siebenmal explodierte Kriegsmunition unkontrolliert, davon jetzt zweimal im Dezember in Neuhausen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln