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Durchs wilde Absurdistan

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Flattersatz: Durchs wilde Absurdistan

Gestern erlebt in der Bildungsrepublik Deutschland: Am Eingang zum Friedhof lesen zwei Dackel interessiert das Verbotsschild »Herrenlosen Hunden ist der Zutritt strengstens verboten!« In solchen Augenblicken bin ich, ehrlich gesagt, doch ein bisschen stolz, ein Deutscher zu sein. Ich freue mich auch über einen Ordnungsfreund aus Dortmund, der Papst Benedikt XVI. bei der Verkehrspolizei anzeigte, weil der Eilige Vater während seines Deutschlandbesuchs 2011 mehrmals mit dem Papamobil unterwegs war, ohne den Sicherheitsgurt anzulegen. Seine Eminenz Dr. Zollitsch, Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, war Augenzeuge! Wer weiß, wie die Polizei entscheidet?! Bei Verstößen gegen die Anschnallpflicht kann der Büßer schneller, als ihm lieb ist, mit schmerzhaften Bußgeldern belegt werden. Darum empfehle ich Päpsten dringend, mit der Deutschen Bahn zu reisen.

Fahrgäste mit guten Manieren sind Bahnchef Grube ohnehin lieber als Typen wie der cholerische Wuppertaler, der aus Rache für die jüngste Fahrpreiserhöhung seinen Revolver zog und zwei scharfe Schüsse auf den geldgierigen Ticketautomaten abgab. So was tut man nicht! Friede auf Erden, Mann! Konflikte sollten möglichst ohne Waffengewalt gelöst werden - Modellfall Rundfunk- und Fernsehgebühren. Der bald gültige 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag ermöglicht es Vater Staat, nicht bloß für jedes einzelne Gerät zu kassieren, sondern die Gebühren als so genannte Haushaltsabgabe einzusacken. Das heißt, jeder Haushalt zahlt gefälligst auch dann, wenn im ganzen Haushalt kein einziger Fernseher vorhanden ist. Klingt bizarr, ist aber immer noch menschenfreundlicher als ein denkbares Gesetz, das uns dazu verurteilte, die Seifenopern, Küchenschlachten und Bayern-Fußballspiele des TV-Selbstverdummungsprogramms zwangsweise zu glotzen, wenn auch gebührenfrei.

’s ist Weihnachtszeit, und Geben ist seliger denn Nehmen. Deshalb ein dickes Lob der Kanzlerin, die zum Christfest den Spendierhosenanzug übergestreift hatte. Ihre Regierung hob die opulenten Pensionen für politische Spitzenbeamte um je 600 Euro monatlich noch weiter an, so dass die meisten nun auf ein jährliches Ruhegehalt von 230 000 Euro kommen. Damit sich die frohe Botschaft bei den Niedriglöhnern nicht herumspricht, versteckte die Kanzlerin sie im Verbalgestrüpp eines Gesetzentwurfs »zur Unterstützung der Fachkräftegewinnung und zur Änderung weiterer dienstrechtlicher Vorschriften«.

Man denkt immer: So was kann’s doch eigentlich gar nicht geben, und dann gibt’s das doch. Trotz Aufschwungs steigt die Armut, und die Löhne sinken weiter. Der Eurokurs ist abgeschmiert bis auf Augenhöhe mit Sarkozy. Fast Drei Prozent, so nannten Humoristen neulich noch die FDP. Inzwischen heißt sie im Volksmund FZP - Fast Zwei Prozent. Ausgerechnet Laienspieler Til Schweiger soll Tatortkommissar werden. Baron zu Guttenberg, der Doktor a. D. der Herzen, ist Berater einer EU-Kommission. Bestsellerautor Richard David Precht verlangt ein Pflichtjahr für Rentner. Die patriotischen Laubenpieper des Kleingartenvereins Harksheide-Kringelkrugweg in Norderstedt (Schläfrig-Holstein) halten den deutschen Kleingarten nicht nur sauber, sondern rein, indem sie eine verbindliche Obergrenze für Vereinsmitglieder mit Migrationshintergrund einführten …

Und Bundespräsident Wulff tritt nicht persönlich zurück. Für so was hat er seinen Sprecher. Zwar ist seine Glaubwürdigkeit beschädigt, doch die kann er ja nur wiederherstellen, wenn er im Amt bleibt. 70 Prozent der Deutschen stehen laut Umfrage hinter ihm. Nur 47 Prozent halten ihn für einen Salamitaktiker und für »nicht ehrlich«. Welcher andere Präsident könnte das von sich behaupten! Ein tolles Ergebnis: Mit 47 Prozent übertrifft er locker die 38 Prozent vom Nordhäuser Doppelkorn.

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