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Kein Ehrentempel der Künste

Das für 2015 geplante neue Bauhaus-Museum in Weimar soll Werkstattcharakter haben

Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus war einst ein »Schmelztiegel« der Kunststile. Diesen experimentellen Werkstattcharakter soll auch das für 2015 geplante Neue Bauhaus-Museum bekommen.

Weimar (dpa/nd). Die Klassikerstadt Weimar will 2015 ihr sehnlichst erwartetes Neues Bauhaus-Museum eröffnen. »Wir wünschen uns keinen Ehrentempel der Künste, sondern ein Haus, das den Bauhaus-Ideen entspricht und eine Art Werkstattcharakter hat«, sagte Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar. »Es wird deshalb nicht so fixiert sein auf die großen Kunstwerke, vielmehr auf Design und Gebrauchsgegenstände, die Teil des täglichen Lebens sind: praktisch, funktional, in gewisser Weise formschön und auch ›verbrauchbar‹.« Die Besucher werden in Werkstätten manuell arbeiten können. »Wir wollen den Schwellenwert für Besucher möglichst niedrig halten oder ganz verschwinden lassen«, begründete Holler die Museumskonzeption.

Das Neue Bauhaus-Museum soll nach kontroverser Diskussion in dem »Dreieck« Neues Museum, Weimarhallenpark und ehemaliges NS-Gauforum gebaut werden. »Ich finde den Standort dort jetzt schon sehr attraktiv. Das städtebauliche Umfeld wird davon profitieren«, ist Holler überzeugt. Der Bau ist das Hauptprojekt des Masterplans »Kosmos Weimar« der Klassik Stiftung. Die Investitionskosten sind auf rund 22 Millionen Euro veranschlagt, für die Baukosten stehen 14,5 Millionen Euro zur Verfügung. Im März 2012 will das Preisgericht aus den 27 Konzeptvorschlägen das Siegermodell auswählen. »Wir wollen Weimar als Standort der Moderne profilieren«, sagte der Kunsthistoriker.

»Die Notwendigkeit des Neubaus ergibt sich schon daraus, dass die Unterbringung der Sammlungen aus der Anfangszeit der wichtigsten Architektur- und Design-Schule des 20. Jahrhunderts konservatorisch riskant ist«, so Holler. Die Exponate müssten so schnell wie möglich raus aus dem ehemaligen Kulissenhaus gegenüber des Deutschen Nationaltheaters.

»Typisch für das Bauhaus Weimar war die stilistische Pluralität: Dadaismus, Expressionismus, Kubismus bis hin zur neuen Sachlichkeit«, sagte der 55-Jährige, der »Chef« über rund ein Dutzend Museen und Gedenkstätten ist. »Alles wurde dort parallel ausprobiert.« Das mache es so spannend. »Das Bauhaus ist kein Stil. Es sind Ideen und Lebensvorstellungen, die immer neu formuliert werden. Da sind auch die Anknüpfungspunkte für heute.« Im Wechsel der Exponate werde das Neue Bauhaus-Museum Fragen wie »Was ist Qualität?«, »Was ist formschön?», »Was ist sozial?« oder »Wodurch zeichnet sich ein guter Stuhl aus?« nachgehen.

Die Klassik Stiftung besitzt mit der Sammlung des Bauhaus-Gründers Walter Gropius den ältesten überhaupt existierenden Bauhaus-Bestand. Seit 1990 wurde der Fundus enorm erweitert. 2010 kaufte die Stiftung für knapp vier Millionen Euro eine Design-Sammlung des Berliners Manfred Ludewig. Der Wert der rund 1500 Stücke - Möbel, Metallarbeiten, Keramik, Porzellan und typographische Arbeiten - werde um ein Vielfaches höher geschätzt. Die Exponate stammen aus der Zeit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. »Wir können mit ihnen vor- und zurückdenken«, sagte Holler. »Beispielsweise können wir darstellen, was aus einem Bauhaus-Design 30, 40 Jahre später in der DDR wurde.«

Holler sprach sich gegen ein Ausspielen der drei Bauhaus- Einrichtungen in Weimar, Dessau und Berlin aus, wie teilweise geschehen; etwa »Das kleine Weimar« und »Das tolle Dessau«. Jeder Standort habe seine Relevanz und Berechtigung, mahnte er. Umso wichtiger sei die vereinbarte Kooperation untereinander, damit jeder seine Stärken entwickeln könne. Unter dem Titel »Bauhaus: Art as Life« werden sich die Drei ab Mai 2012 in der Barbican Art Gallery in London präsentieren. Zu den gemeinsamen Vorhaben gehöre ein »sehr schöner Reiseführer« durch die Bauhaus-Orte. Ein gemeinsamer Internetauftritt sei bereits verwirklicht.


Bauhaus Weimar

1919 gründete in der Klassikerstadt Weimar der Architekt Walter Gropius (1883-1969) das Bauhaus als Staatliche Hochschule für Gestaltung. Seine Idee, dass jedes Produkt eine Funktion erfüllen, preiswert und schön sein soll, wurde Grundlage modernen Industriedesigns und moderner Architektur. Das Bauhaus musste 1925 nach Dessau und später nach Berlin umsiedeln. 1933 wurde es auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen. Viele Bauhäusler, darunter Gropius und zahlreiche Schüler, emigrierten ins Ausland. Das Bauhaus gab weltweit entscheidende Architektur- und Designimpulse im 20. Jahrhundert.
dpa/nd

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