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Mitt Romney siegt beim Auftakt

Suche der Republikaner nach Präsidentschaftskandidaten hat in den USA begonnen

Mitt Romney hat am Dienstag (Ortszeit) im Bundesstaat Iowa den Auftakt zur Kür des republikanischen Kandidaten für die USA-Präsidentschaftswahl im November äußerst knapp gewonnen.

Die Vorwahlen der Republikaner haben ihren ersten Sieger, doch die Strategen in der Washingtoner Parteizentrale dürften so klug sein wie zuvor. Sieben Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur sind noch im Rennen, sechs traten bei den sogenannten Caucuses in Iowa an; John Huntsman verzichtete. Am Ende hatte der Ex-Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney bei 30 015 eigenen Stimmen (gut 25 Prozent) in den über 1700 Wählerversammlungen acht Stimmen Vorsprung vor dem ehemaligen Senator aus Pennsylvania Rick Santorum, dicht gefolgt vom texanischen Kongressabgeordneten Ron Paul.

Wie sich schon in den Umfragen angedeutet hatte, waren Rick Perry, Newt Gingrich und Michelle Bachmann in dem kleinen Agrarstaat im Mittleren Westen ohne Chance. Zumindest Perry, der Gouverneur von Texas, will nach seinem enttäuschenden Abschneiden (zehn Prozent der Stimmen) schon jetzt darüber nachdenken, »ob es für mich in diesem Rennen einen Pfad nach vorn gibt«. Der große Herausforderer für den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama allerdings hat sich nach dem knappsten Caucus-Ergebnis im Bundesstaat noch nicht herauskristallisiert.

Statistisch gesehen darf man von Iowa auch keinen eindeutigen Fingerzeig erwarten. Lediglich zwei von fünf republikanischen Auftaktsiegern in den vergangenen 25 Jahren wurden am Ende auch Präsidentschaftskandidat. Vor vier Jahren siegte Mike Huckabee, geholfen hat es ihm nicht. Auch Romney scheiterte damals bei seinem ersten Versuch, Präsident zu werden. Dieses Mal werden ihm größere Chancen eingeräumt. Er steht für die moderateren Republikaner, und die Wahlen lassen sich letztlich auch nur in der Mitte der Gesellschaft gewinnen.

Nur ist seine eigene Partei in der Bush-Ära so weit nach rechts gerückt und wird so stark von der fundamentalistischen Tea-Party-Bewegung geprägt, dass er dort bisher um die notwendige Mehrheit bangen muss. Rick Santorum etwa steht nicht nur mit seiner Ablehnung des Rechts auf Abtreibung selbst bei Vergewaltigung und Inzest für die religiöse Rechte. Der 53-Jährige will den Wahlkampf zum Glaubenskrieg machen. Der tiefgläubige Katholik hatte im Unterschied zu seinen Konkurrenten in den vergangenen Wochen in Iowa in Hunderten Veranstaltungen intensiv Wahlkampf auf dem flachen Land betrieben.

Romney wiederum hatte vor vier Jahren so einige Probleme mit seinem Glauben, gerade in den eigenen Reihen: Er ist Mormone. Doch kann er als ehemaliger Geschäftsmann auf dem Feld der Wirtschaftspolitik seine Kompetenz beschwören; in Zeiten riesiger Staatsverschuldung und hoher Arbeitslosigkeit dürfte das zu einem Kernpunkt im Kampf um das Weiße Haus werden. Selbst wenn Romney als Unternehmer wie als Politiker kaum soziale Kompetenz bewiesen hat. Da seine Wahlkampfkasse wohl gefüllt sein soll, dürfte er auch den notwendigen langen Atem haben.

Bereits in der kommenden Woche stehen die nächsten Vorwahlen in New Hampshire an. Nach Abschluss der Wahlgänge in allen 50 Bundesstaaten wird die »Grand Old Party« dann auf ihrem Parteitag Ende August endgültig entscheiden, wer am 6. November ins Rennen geht. »Bevor wir so weit sind, uns mit Barack Obama eine Debatte zu liefern«, prognostizierte jetzt Newt Gingrich, »wird es aber noch eine lange Debatte in unserer Partei geben.« Dem Amtsinhaber kann ein zermürbender Flügelkampf bei den Republikanern nur Recht sein. Er steht als Kandidat der Demokraten schon fest. Am Abend des Votums in Iowa stimmte der Präsident seine Anhänger mit kämpferischen Worten auf das Wahljahr ein: »Wir haben viel getan und wir haben noch viel mehr zu tun. Darum brauchen wir vier weitere Jahre.«

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