Staatsanwaltschaft überfordert

Behörden kommen mit der Bearbeitung von weit mehr als 1000 Verfahren gegen Anti-Atom-Aktivisten nicht hinterher

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Die Lüneburger Staatsanwaltschaft will ihre Ermittlungen gegen Atomkraftgegner bei Zahlung einer Spende einstellen. Gedroht hatte sie mit fünf Jahren Gefängnis.

Vor einem Jahr drohte die Staatsanwaltschaft Lüneburg Anti-Atom-Aktivisten noch mit saftigen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren, die im Internet einen Aufruf zum »Schottern« der Castorstrecke unterzeichnet hatten. Nun will sie Ermittlungsverfahren bei Zahlung einer Spende einstellen. Es handele sich nur um eine »geringe Schuld«, sagt Staatsanwältin Angelika Klee dem »nd«. Die Initiatoren der Kampagne wollen die Angelegenheit hingegen nicht auf diese Weise abhaken und rufen zum Boykott.

Als Protest gegen den Atommülltransport ins niedersächsische Gorleben hatten schon im Jahr 2010 viele Menschen ihre Sympathie für die Kampagne »Castor? Schottern!« erklärt, bei der massenhaft Steine aus dem Gleisbett der Castorstrecke entfernt werden sollte, um damit den Castorzug zu stoppen. Die Polizei leitete damals rund 1600 Ermittlungsverfahren gegen Unterstützer des Aufrufs ein. Atomkraftgegner sahen darin einen Einschüchterungsversuch.

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