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Neuerfindung des Mobiltelefons

Vor fünf Jahre begann ein Computerhersteller, die Branche umzukrempeln

  • Von Renate Grimming, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Millionen Smartphones lagen unterm Weihnachtsbaum. Allein am 25. Dezember wurden 6,8 Millionen neue Geräte aktiviert. Dieser Modetrend in der Mobilfunktelefonie begann vor fünf Jahren mit dem ersten iPhone.

Ein Touch-Display und eine einzige Taste haben eine ganze Branche durcheinandergewirbelt. Auf der MacWorld Expo in San Francisco präsentierte Apple-Gründer Steve Jobs am 9. Januar 2007 das erste iPhone und rief damit die »Neuerfindung des Mobiltelefons« aus. Für einen Branchen-Neuling wie Apple ein gewagtes Ziel.

Zunächst fielen die Prognosen auch vergleichsweise zurückhaltend aus. Rund zehn Millionen Stück wollte der US-Computerhersteller in den ersten zwei Jahren verkaufen und damit ein Prozent des weltweiten Handy-Marktanteils gewinnen. Doch bereits am ersten Verkaufstag im Juli 2007 bildeten sich vor dem Apple Store in der 5th Avenue in New York und anderen Verkaufsstellen weltweit hunderte Meter lange Schlangen. Das hatte es in der Geschichte des Mobiltelefons noch nicht gegeben.

Bis 2007 hatten sich Handys von vormals unhandlichen und schweren »Knochen« zu immer kleineren Geräten gewandelt. Allen gemeinsam waren ein relativ kleines Display und die Telefon-Tastatur, über die man per Zweitbelegung mit Buchstaben auch SMS schreiben konnte. Die langsam aufkommende Nutzung des mobilen Internets hatte durch den geringen Platz auf den Displays deshalb klar abgesteckte Grenzen.

Dagegen war das iPhone erstmals über ein berührungsempfindliches Display und eine virtuelle Tastatur steuerbar. Anders als bei den bis dahin mit oft labyrinthartigen Menüs strukturierten Mobiltelefonen der großen Marktführer lässt es sich ohne Handbuch nutzen. Und über den App Store wird es ohne Umweg über den PC mit teils kostenpflichtigen Anwendungen bestückt. Neben der benutzerfreundlichen Bedienung wird von Branchenexperten aber auch das minimalistische Design herausgestellt.

Obwohl das iPhone damals längst nicht an vorderster Front in der Mobilfunktechnologie mitspielt und zunächst nur den gegenüber UMTS deutlich langsameren Standard Edge unterstützt, ebnet es dem mobilen Internet einen neuen komfortablen Weg. Und: Den Mobilfunk-Providern erschließen sich neue Einnahmequellen durch die mobile Datennutzung. Das ist so attraktiv, dass sich erstmals ein Handy-Hersteller exklusive Partnerschaften mit einem Provider leisten kann. Und mit Apple handelt ein Gerätehersteller erstmals eine Umsatzbeteiligung bei der Datennutzung aus.

Dem neuen Herausforderer schreiben Analysten vom Start weg großes Potenzial zu. Technologische Schwächen scheint Apple spielend mit dem Design und der Beliebtheit der eigenen Marke auszugleichen. Trotz des unverhältnismäßig hohen Preises wird das iPhone zu einem Erfolg bei den Nutzern. Es dauert nicht lange, bis alle führenden Handy-Hersteller mindestens ein Smartphone mit Touch-Display und App Store im Portfolio haben. Bereits ein Jahr später legt Apple mit dem iPhone 3G nach - und gibt das Geschäftsmodell mit der Umsatzbeteiligung zugunsten niedrigerer Gerätepreise auf. Mit der Unterstützung von UMTS schließt man auch technologisch zur Konkurrenz auf. Heute rangiert das iPhone auf Rang vier unter den weltweit meistverkauften Handys. Der lange Jahre unangefochtene Marktführer Nokia hingegen hat Marktanteile im zweistelligen Prozentbereich verloren - Tendenz weiter fallend.

Gegenwind bekommt Apple derzeit von ganz anderer Seite: Mit viel Erfolg hat Google sein Handy-Betriebssystem Android in den Markt gebracht. Über Kooperationen mit großen Herstellern ist Android zum am weitesten verbreiteten Betriebssystem aufgeschossen. Mit einem Marktanteil von zuletzt über 43 Prozent verweist Googles Plattform Nokias Symbian (22,1 Prozent) und Apples iOS (18,2 Prozent) auf die Ränge.

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