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Liebe, Hiebe

Wird heute 75: Daisy Duck

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Sie hat die ewige Jugend, auch wenn sie heute 75 Jahre alt wird: Daisy Duck. Sie braucht diese Jugend auch. Sie benötigt nämlich Kraft. Und sie hat Kraft. Erstens, um es als Partnerin von Donald Duck auszuhalten, und zweitens, um in dieser Partnerschaft trotzdem den Eindruck zu schüren, eigentlich Gustav Gans zu lieben, den Feinling mit Hut, der seine Kopffedern sogar zur Kurzdauerwelle dressieren kann.
Ein epd-Feature zum Geburtstag teilt mit, »außerhalb des Comic-Universums«
sei ein Parfüm kreiert worden, das Daisys Namen trägt. »Das 90 Euro teure
Fläschchen wird ihr aber wohl nicht Donald schenken – seine Geldnöte sind so legendär wie Daisys Schönheit.«
Ein epd-Feature zum Geburtstag teilt mit, »außerhalb des Comic-Universums« sei ein Parfüm kreiert worden, das Daisys Namen trägt. »Das 90 Euro teure Fläschchen wird ihr aber wohl nicht Donald schenken – seine Geldnöte sind so legendär wie Daisys Schönheit.«

Mit Lust präsentiert Daisy diese fiese Grazie einer unentwegt Unentschiedenen - um Donald zu reizen. Wenn er gereizt wird, offenbart sich sein Wesen am besten: Er ist spießig, neidisch, aktionistisch, von nerviger Selbstüberhebung. Ein haarsträubender Trottel. Aber ein Trottel auf der Höhe der Zeit. Das ist, in jeder Zeit: die Fallhöhe.

Micky Maus ist eine Maus, Donald und die Seinen aber sind keine Enten, sie sehen nur so aus. Die Ducks, also dieser Kerl Donald und die geschwätzige, vor Wohlfahrts-Eifer schier überfließende Daisy, haben etwas vom Veitstänzerischen, von der stressigen Selbst-Darstellungskraft des Castorf-Theaters, von dessen Strebsamkeit nach Chaos und lustigem Krampf. Der Mensch möchte doch so gerne. Auf diese Weise kam der Möchtegern in die Welt, und Enten mussten her, um diesem Typus jene unablässige Sympathie zu sichern, die ihm im realen Leben oft genug versagt wird.

Daisy kam 1937 zunächst nur als Filmfigur in die Welt. Als bräuchte Donald weibliche Hilfe zur Bändigung des besserwisserischen Bürschchen-Trios Tick, Trick und Track. Donalds Neffen mit dem unverzichtbaren Pfadfinderbuch: kleine erfinderische Erwachsenen-Erzieher, pfiffige Schulschwänzer, die trotzdem keine Pisaner wurden, gewappnet mit einem untergründigen kindlichen Sadismus, mit dem auch sie Donald handfest quälen.

Mit seinen verzerrten Figuren, den gigantischen Übertreibungen und surrealen Fügungen spricht der Comic, spricht das Werk des Entenhausen-Erfinders Carl Barks und eines seiner Nachfolger, Vicar (er starb am vergangenen Dienstag), ein schönes Bedürfnis an: die Anarchie des Kindlichen in erwachsen werdende Tage zu retten. Das nennt man wohl eine schöne Bewusstseins-Veränderung, nein: eine Verenterung. Ächz, würg, stöhn. Hechel, hechel, keuch, keuch.

Daisy Duck mit der rosaroten Schleife und den Stöckelschuhen, die das Picknick liebt, bildet quasi das arbeitssam strenge Gegengewicht zur vergeblichen Maßlosigkeit Donalds. Mit Regenschirm- oder Handtaschen-Hieben sorgt sie gern für mäßigende Ruhe im hybrid blubbernden Hirn ihres Gefährten. Donald kann noch so ehrgeizig, intrigant, rücksichtslos sein - er verschwendet alle Energie doch nur für ein grandioses Erschöpfungsfest, bei dem sich seine Verwertbarkeit für eine Karriere fortwährend blamabel erledigt. Das ist das Unsterbliche an ihm. Und dafür liebt ihn Daisy, lebt aber als Vorsitzende des feministischen Entenbundes in einer Welt, in der man dies nicht immer offen zugeben darf.

Disneys Werk ist die Spielschule, in der wir über das lachen, was uns täglich als Grundgesetz heimsucht: die Aufforderung zum korrekten Geschäfts- und Lebensablauf. Entenhausen bleibt so Ort eines Zaubers, der aus Enten Pechvögel macht. Also Menschen.

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