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In schrägem Winkel

Die Berlinische Galerie ehrt »Eva Besnyö - Fotografin 1910-2003«

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Eva Besnyö, Starnberger Straße, Berlin 1931
Eva Besnyö, Starnberger Straße, Berlin 1931

Beeindruckend der Blick offenbar aus dem Fenster hoch oben auf die menschenleere Starnberger Straße, Berlin 1931: In spitzem Winkel stößt die Ecke einer Bäckerei ins Bild. Daneben hängen aus demselben Jahr Fotos vom Strandbad Wannsee, wie drei junge Menschen umarmt im Sand liegen, und vom Balaton, wie Magda in weißen Pumps den Holzeinstieg zum Wasser nimmt. Bereits in Holland entstand 1934 in Schrägperspektive der Blick auf ein Sommerhaus, vier Dezennien später dann das Foto einer wütenden Demonstrantin hinter dem Gitter eines Polizeigefährts. Auf rot hinterlegter Einzelwand die faszinierendste Aufnahme zu Eingang der Ausstellung: Narda im Amsterdam des Jahres 1937, das schöne und fast finstere Gesicht mit den umwölkten Augen extrem dicht am Betrachter, die schwarz verhüllten Hände verschränkt unterm Kinn, unruhevoll kontrastiert durch den Rhythmus eine Pullovers in Zebrastreifen. Auch viele weitere Fotografien von Eva Besnyö springen den Besucher an, prägen sich rasch und gründlich ein.

Nach Ausstellungen im Verborgenen Museum 1991 und im Märkischen Museum 1999 ist die Ausstellung in der Berlinischen Galerie mit gut 120 Originalabzügen in Deutschland die erste umfassende Zusammenschau eines Fotografenlebens, das von 1910 bis 2003 währte.

Veranlasst hat diese Retrospektive wieder das Verborgene Museum, sie jedoch wegen des Umfangs in die Berlinische Galerie verlegt. Dort gliedert sie übersichtlich den Werdegang sowohl nach biografischen wie auch nach künstlerischen Stationen.

Nicht nach Paris, nach Berlin musst du gehen, hatte der Ungarin ein Kollege geraten. Da war die Tochter eines jüdischen Anwalts noch Lehrling bei einem Porträt- und Werbefotografen. Ab Herbst 1930 geht sie in der deutschen Hauptstadt auf Motivjagd, fühlt sich angeregt durch die Ästhetik russischer Filme etwa Sergej Eisensteins und die Kunstrichtung der Neuen Sachlichkeit. Deren Intentionen setzt sie in ein Neues Sehen um. Den Freund György Kepes porträtiert sie mit nachdenklich gesenktem Blick diagonal vor einer Zeitung, setzt im Strandbad Wannsee das Gewirr zweier Stockwerke in Kontrast zu flanierenden Badegästen, fixiert im Deutschen Stadion Laufbahn, Betoneinfassung und Sitzbänke wie Wellen eines Gewässers, richtet die Kamera auf die verstrebte Dachkonstruktion eines Bahnhofs. Kinderhände umklammern von außen die Holzlatten eines Zauns, ein Mann streift längs eines Gitters. Sachlich sind diese Schwarz-Weiß-Aufnahmen, bestechen dennoch durch ihre erzählende Atmosphäre und wirken noch immer ungemein modern.

Entzog sich Besnyö dem faschistischen Regime in ihrer Heimat, so war sie hellsichtig genug zu erkennen, dass auch ihre Zeit in Berlin begrenzt war: Schon 1932 verließ sie das künftige Zentrum des deutschen Faschismus mit Ziel Amsterdam. Bereits 1933 erlebte sie mit einer Einzelausstellung den Durchbruch, war Mitglied der niederländischen Arbeiterfotografenbewegung. Aus Protest gegen die Olympischen Spiele in Berlin nahm sie an einer Anti-Olympiade-Ausstellung teil, setzte Maßstäbe in der Fotografie von Architektur, wie ein Zyklus ausweist. Mit untrüglichem Gespür macht sie Architektur außerordentlich transparent, ob beim Blick durch Wendeltreppen oder übereck auf ein Sommerhaus, auf die halbrunde Glasfront eines Radiosenders oder in seine lichtdurchflutete Kantine.

Bis 27.2., Mi.-Mo. 10-18 Uhr, Berlinische Galerie

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