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Angriff von Rechts

Nach Anschlägen: Anti-Nazi-Aktivisten in Franken sind alarmiert

Mehrfach kam es in Franken in den vergangenen Wochen zu Anschlägen auf Aktivisten gegen Rechtsextremismus. Die Polizei vermutet die unbekannten Täter in der rechten Szene, die Betroffenen sind alarmiert.

Nürnberg (dpa/nd). Naziparolen an Gebäuden in Weißenburg, Anschläge auf die Autos von führenden Vertretern fränkischer Initiativen gegen Rechtsextremismus in Fürth und Weißenohe und ein Überfall auf eine Silvesterparty der alternativen Szene in Ansbach: In Franken scheinen sich derzeit rechtsextremistisch motivierte Straftaten zu häufen. Während die Polizei noch nach den Tätern sucht, ist Michael Helmbrecht, Sprecher der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, alarmiert. »Man hat den Eindruck, die Neonazis in Franken gehen zum Angriff über und wollen dokumentieren, dass sie handlungsfähig sind«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Gut vernetzte Neonazis

Helmbrecht ist selbst eines der Opfer der jüngsten Übergriffe. Ende Dezember wurde sein Auto demoliert: Unbekannte schlugen sämtliche Scheiben ein, zerstachen die Autoreifen und verklebten die Schlösser mit Bauschaum. »Das Schlimmste war aber der unerträgliche Gestank über dem ganzen Gelände«, erinnert sich der frühere Sprecher des ebenfalls gegen Rechts aktiven Gräfenberger Bürgerforums. Denn der oder die Täter hatten rund um den Wagen eine übelriechende Flüssigkeit verteilt - vermutlich Buttersäure. »Wenn Sie Ihr eigenes Haus nicht mehr betreten können, weil Sie es mit Würgereiz zu tun haben, dann ist das eine sehr subtile Strategie, jemanden psychisch fertig zu machen«, sagt Helmbrecht - betont aber: »Ich bin nicht so leicht einzuschüchtern.«

Vermehrte und intensivere Versuche von Neonazis, die Anti-Rechts-Aktivisten einzuschüchtern, hat auch eine Mitarbeiterin der Regionalen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus in Unter-, Mittel- und Oberfranken beobachtet. Exemplarisch könne hier etwa das Ausmaß der Zerstörung von Helmbrechts Auto gelten. »Das ist schon eine andere Dimension. Da ist nicht ein Reifen aufgestochen oder mit dem Schlüssel über den Lack gekratzt worden«, sagte die Sozialpädagogin am Donnerstag.

Von einer überdurchschnittlich gewaltbereiten rechten Szene in Franken will sie aber nicht sprechen: »Ich würde jetzt nicht sagen, dass Franken schlechter dasteht als andere bayerische Regionen. Es ist nur so, dass die Strukturen hier andere sind.« So seien viele fränkische Neonazis über die Plattform Freies Netz Süd eng miteinander verbunden und verfügten obendrein über gute Kontakte zur rechten Szene in Thüringen und Sachsen.

Gezielte Racheakte

Erst in der Nacht zum Montag hatten Unbekannte die Reifen am Wagen der Sprecherin des Fürther Bündnisses gegen Rechtsextremismus zerstochen. Ende November gab es in der Stadt einen Brandanschlag auf das Fahrzeug eines Anti-Rechts-Aktivisten. Die Ermittlungen zu diesen beiden Fällen werden in Fürth geführt, der Anschlag auf Helmbrechts Auto wird von der Kripo Bamberg untersucht.

Bislang gebe es keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Fällen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Polizei vermutet jedenfalls gezielte Racheakte von Extremisten. »Wenn man die Gesamtschau auf die Geschädigten betrachtet, gehen wir davon aus, dass es einen rechten Hintergrund gibt«, meinte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken zu den Fürther Fällen. »Wir ermitteln aber nicht nur in diese Richtung.«

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