Porträt einer Doppelspitze

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
»Verratenes Volk«, Deutsches Theater Berlin (2000). Unten: Liebknecht und Luxemburg, Radierung von Arno Mohr, 1987

Johannes Bobrowski: Rosa Luxemburg

Schmerz
wie ein Vogel singt.
Mauer. Lüfte, hörbar
über der Angst.
Wer verschließt deinen Mund,
Lerche? Du fliegst
auf vom Wiesenstädtchen,
in die Verwüstung, vorüber
Türmen, atemlos, dort:
Lerche, sing deinem Volk,
sing der Schläfen
Gewalt. Ich hör einen Alten
reden von finsteren Jahren.
Zärtlichkeit, eine Träne
sagt deinen Namen.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Es existiert kein Foto, das sie, die doch durch Zeiten hin gemeinsam genannt werden, zusammen zeigt. Der große Striche-Verdichter Arno Mohr, dieser Linien-Tanzmeister, hat sie 1987 ins Bild gesetzt, ins Gespräch. Zwei zwischen Erschöpfung und Erwartung. Sie schauen einander nicht an. So sieht Warten aus oder Scheu oder die Ratlosigkeit nach einem Streit. Oder die Ruhe davor. Knistert die Luft oder ist sie lau? Rosa Luxemburgs rechter Arm ist wie eine Brücke im Bau. Nähe, große Nähe, und doch gut, dass das Sofa zwei gegenüberliege...















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