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Geschichten aus der Schule

In »Da drinnen ist es mir zu laut« erzählt der Buchautor, Lehrerfortbildner und Schulberater Reinhold Miller Geschichten aus mehr als 60 Jahren Schüler- und Lehrerleben. Herausgeber der »Schulgeschichten« ist der Bundesverband Aktion Humane Schule e.V. (AHS). Die Broschüre kostet 5 Euro (zzgl. Versand) und kann bestellt werden bei: Bundesverband Aktion Humane Schule e.V., Rathausplatz 8, 53859 Niederkassel; E-Mail: ahs@aktion-humane-schule.de.

Die AHS wurde 1974 in Bietigheim (Baden-Württemberg nach dem Suizid eines Schülers gegründet. Im Vorwort der Broschüre heißt es: »Wird offiziell auch immer wieder betont, dass Unterricht die Hauptaufgabe der Schule sei, so erweist sich stattdessen im Alltag, dass es vorrangig um das Gestalten von Beziehungen geht: die der Kinder und Jugendlichen untereinander, die zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen, zwischen Schule und Elternhaus, aber auch die innerhalb des Kollegiums sowie zwischen Schulleitung und Kollegium.«

1. Klasse

Sitzkreis am Morgen. Wer mag, kann etwas Wichtiges berichten. Als nach einer Weile alle auf ihren Platz zurückgehen wollen, meldet sich zum Schluss noch Christine. »Ich habe gestern einen Geist gesehen«, sagt sie zum Lehrer und zu ihren Mitschülern. »Den gibt es ja gar nicht«, antwortet der Lehrer, da hast du dich bestimmt getäuscht. »Doch, den gibt’s schon«, bekräftigt das Mädchen, »denn sonst gäbe es doch kein Wort dafür.« Was es alles gibt, dachte sich da der Lehrer und staunte über die geistreiche Antwort.

2. Klasse

Es geht schon auf das Ende des Schuljahres zu. Alle können bereits schreiben, nur Christian noch nicht. Er will auch gar nicht schreiben lernen. Problemlos lesen, das kann er aber ... Die Beratungslehrerin testet ihn, hat jedoch keine Erklärung für Christians Schreibverweigerung. Schließlich kommt der Junge in die Obhut eines verständnisvollen Psychiaters, der die Ursache der Schreibhemmung herausfindet: Christians Vater ist arbeitslos und Analphabet. Die Mutter muss deshalb für ihn, notgedrungen, unter großen Anstrengungen jede Menge Formulare ausfüllen. Mit der Zeit wird es ihr zu viel. Mehrmals sagt sie deshalb zu ihrem Sohn: »Wenn DU einmal schreiben kannst, dann machst du den ganzen Kram hier.« Verständlich die Weigerung des kleinen Christian: Unter solchen Umständen und Folgen lieber nicht schreiben lernen wollen.

8. Klasse

Der Lehrer entrollt eine Europa-Landkarte. Mit dem Stock deutet er auf einzelne Länder, auf Flüsse, auf Höhenzüge und Gebirge: »Wie heißt dieses Land?« »Wie heißt die Hauptstadt?« »Wie heißt der Fluss?« Wie heißt das Gebirge?« »Wie nennt man ...« Viele Arme strecken sich, die Antworten kommen, gemischt als »richtig« oder »falsch«. Mittendrin ertönt eine Stimme - an den Lehrer gewandt: »Wissen Sie’s denn nicht, weil sie uns fragen?« Kichern - Schweigen. Der Lehrer stutzt. »Doch. Aber ich möchte wissen, ob ihr es wisst.« Sehr wohl ist ihm bei dieser Antwort nicht. Nach der Stunde geht er nachdenklich aus dem Klassenzimmer und fragt sich: Warum frage ich eigentlich so viel?

Über Lehrerinnen und Lehrer

Von 8.30 bis 12.30 und von 14.00 bis 17.00 Uhr haben die 57 Lehrerinnen und Lehrer anlässlich eines Pädagogischen Tages intensiv im Plenum und in Gruppen gearbeitet. Jetzt, um fünf Uhr Nachmittag, sind sie »fix und fertig«, nach sechs Stunden reiner Arbeitszeit - und eineinhalb Stunden Mittagspause. »Das machen wir mit unseren Schülern jeden Tag, sechs Stunden lang am Vormittag«, entfährt es einem Kollegen, als er aus dem Lehrerzimmer geht - »und ohne lange Pausen«. Später sitzen einige noch beisammen und reden über die langen Schulvormittage ihrer Schülerinnen und Schüler. Dieses Thema wird sie die nächste Zeit noch sehr beschäftigen ...

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