Marcus Meier 21.01.2012 / Kolumnen
Industrie-Normen

Von der Wirtschaft, für die Wirtschaft

Der Staat delegiert die Regelsetzung zunehmend an private Normungsinstitutionen

Umweltverbände versuchen auf vielen Ebenen, Einfluss zu gewinnen. Eine davon ist die »Normungsarbeit«. Marcus Meier besuchte gestern einen Workshop zu eben diesem Thema. Und sprach danach mit Oliver Kalusch. Dem Staat sei die eigene Formulierung von Industrie-Normen zu teuer, moniert der Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Ein weites Feld: Industrie-Normen, ihre Entstehung und Verwandschaftsbeziehungen.
Oliver Kalusch ist auf vielen Ebenen aktiv: Er ist Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), einer der wichtigsten, wenn auch der weniger bekannten Umweltorganisationen Deutschlands. Er ist sachkundiger Bürger im Wittener Stadtrat auf Ticket der Linkspartei. Er berät als Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) die Bundesregierung. Und, last not least: Er ist Mitglied in diversen Normungsorganisationen inklusive Normungsunterorganisationen. Da wäre zunächst das Deutsche Institut für Normung (DIN), wo Kalusch im Arbeitsausschuss »Societal Security« (Schutz des Gemeinwesens) und in den DIN-Gremien »Grundlagen des Risikomanagements« sowie »Nanotechnologie« arbeitet. Mit dem letzten Thema beschäftigt er sich auch im entsprechenden Untergremium der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE), einem gemeinsamen Organ von DIN und dem Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). Andere Normungsgremien, denen Kalusch angehört, tragen Namen wie »Sicherheitsanalyse-Immissionsprognose« oder »Thermische Abfallbehandlung«, was die euphemistische Umschreibung für Müllverbrennung ist. Womit wir schon knietief in einem Paralleluniversum stehen, von dessen Existenz der Durchschnittsbürger meist nichts ahnt. »Zugestanden, das ist eine eigene Welt«, lacht Kalusch. Hunderte Normungsgremien gebe es allein in Deutschland, weitere auf EU- und globaler Ebene. Und er ergänzt: »Die Normungsinstitute haben Normenausschüsse für bestimmte Branchen oder Sachgebiete. Auf der Ebene darunter gibt es Arbeitsausschüsse, die konkrete Normen formulieren.« So hat der DIN-Normenausschuss 172 »Grundlagen des Umweltschutzes« einen Unterausschuss 172-00-09 AA, der auf »Energieeffizienz und Energiemanagement« spezialisiert ist. Das all diese Gremien oft miteinander verflochten sind, sei es horizontal, sei es vertikal, soll hier nur angedeutet werden.

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