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Auf dem Weg zum Emir

  • Von Brigitte Zimmermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Flattersatz: Auf dem Weg zum Emir

Als ich mich jüngst auf den Weg zum Emir dachte, noch in Berlin und nicht sicher, ob Exzellenz mich überhaupt sehen will, sortierte ich meine denkbaren Sünden, damit mir die orientalische Nummer in Katar nicht zur Hölle geraten kann. Die Strenggläubigen lauern einen ja überall auf.

Meine erste Prüfung galt der Frage, ob ich irgendwann auf die mir mögliche Weise ein Amt beschädigt habe. Ich bin da, ehrlich gesagt, nicht unambitioniert, aber es reichte bisher nicht zum Schadensfall. Dass ich beispielsweise die Dame im Kanzleramt für stark überschätzt halte, tut nichts zur Sache. Wenn dieses Licht eines Tages auch anderen aufgeht, haben es sowieso alle vorher gewusst. Um aber das Finanzamt zu beschädigen, fehlen mir erstens die großen Einnahmen, um ordentlich etwas vorzuenthalten. Und es fehlen mir zweitens, viel wichtiger, die Winkeladvokaten, die in diesem Falle dann nachweisen, dass mir das Finanzamt etwas schuldet und nicht ich ihm.

Gern würde ich auch eine halbamtliche Institution wie die Deutsche Bahn beschädigen. Doch ich komme nicht dazu. Weil ich alle Hände und Füße voll zu tun habe, die Schädigungen abzuwehren, die mir dieses zu oft im Stand verweilende Mobilitätsunternehmen zumutet. Dazu Hochofentemperaturen oder Kühlschrankkälte, Türen, die sich nicht schließen lassen und zu wenig Platz für Gepäck. Welches dann nicht griffbereit ist, um dem Fahrscheinkontrolleur zur Strafe eine kleine, schnell vernarbende Schädigung zuzufügen.

Im Hinblick auf das Kreditgeschehen sieht es ebenfalls nicht so aus, als könnte mich in Katar ein Schlag treffen. Weil ich als unheilbar Ostsozialisierte erstens nicht auf die Idee komme, mir für eine halbe Million Euro, die ich nicht besitze, ein Haus zu kaufen. Man kann sich auch in einer Hochhauswohnung über jeden neuen Tag freuen. Kein Scherz. Zweitens, sehr entscheidend, würde mich jeder Bankvertreter bei einem Kreditwunsch in dieser Höhe mit rollierenden Augen anschauen, aber keinen rollierenden Geldmarktkredit zu lachhaften Zinsen herausrücken. Seine Sehwerkzeuge würden anzeigen: Die Ostdeutschen kriegen wir nicht mehr groß. In Bezug auf Kreditsummen stimmt das auch meistens.

Auf dem Felde des Journalismus und seines entgrenzten Jagdtriebs auf dem Boulevard müsste ich aus dem Schneider kommen: Ich bin nicht wichtig genug und habe zudem die falschen Freunde. Auch Träger größerer Namen unter ihnen laden mich nicht zu Mitnahmeeffekten irgendeiner Art ein. Mitgenommen bin ich zuweilen nur von den heftigen Debatten, die wir untereinander führen. Aber das ist auch bei strengster Auslegung des Gesetzes wohl kein geldwerter Vorteil. Und wenn man selbst gelegentlich schreibt, stellen sich die Fragen ohnehin etwas anders. Ich muss erstens die Offenlegung meiner von mir selbst verfassten Schandtaten, Herr zu Guttenberg grüßt nochmals kurz, nicht per Anruf beim Chefredakteur verhindern oder einen Tag aussetzen lassen. Eine schwache Performance ist heute schlecht und morgen leider auch noch. Zweitens sind die kleinen Mitnahmeeffekte, die man selbst gewähren könnte, leicht abzuwehren. Manche Autoren/Autorinnen schicken mir Bücher, weil sie meinen, ich müsse sie für diese oder eine andere Zeitung rezensieren. Das läuft ins Leere. Ein Pressesprecher hätte bei mir gar nichts zu schaffen.

Summa summarum: Ich gehöre, wie viele Millionen, zu den wahren Privilegierten in diesem Lande. Die Gelegenheiten, Günstling der oft nur vermeintlich Schönen und wirklich Reichen zu werden, bewegen sich gegen null und werden im geringfügigen Fall streng bestraft. Das muss immer bedacht werden. Dagegen die ewigen Versuchungen auf höchster Ebene, wo man Straffreiheit erlangen kann, notfalls über einen ewigen Untersuchungsausschuss! Da liegen die potenziellen Opfer wirklich auf der Straße.

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