Von Tobias Riegel

Berauschte Preußen

Die 30. Lange Nacht der Museen stellt Friedrich II. in den Fokus

Auch das Kulturforum ist mit von der Partie.
Auch das Kulturforum ist mit von der Partie.

Die Lange Nacht der Museen am 28. Januar von 18 bis 2 Uhr verspricht, eine Nacht der Jubiläen zu werden. So ist es nicht nur die 30. Ausgabe des Erfolgsmodells, sondern findet auch im 15. Jahr statt. Zudem wird der einmillionste Zuschauer seit Einführung des Brauchs erwartet und sowieso dreht sich in den beteiligten Häusern vieles um den 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen. Da passte es, dass die Pläne für die Museumsnacht gestern in der Königlichen Porzellan Manufaktur, die sich ebenfalls am nächtlichen Treiben beteiligt, präsentiert wurden.

Insgesamt werden laut dem Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin, Moritz van Dülmen, 70 Museen und Galerien teilnehmen. Darunter sind auch drei Debütanten: Erstmals nehmen das Historiale Berlin Museum mit einer Schau zur Berlin-Geschichte, die Filmakademie Kalle mit einer historischen Kamerasammlung und der Tränenpalast mit einer Dokumentation zur deutschen Teilung teil. Auch an den Nachwuchs ist gedacht, wenn diverse Häuser bereits ab Nachmittags Kinderprogramme anbieten. Darunter ist auch das Labyrinth Kindermuseum, das (hoffentlich augenzwinkernd) die zu Zeiten Friedrichs des Großen üblichen Erziehungsmethoden anschaulich machen will.

Neben der schlichten Öffnung der Museen soll auch dieses Jahr wieder ein beeindruckendes Rahmenprogramm aus speziellen Führungen, Vorträgen, Workshops, Filmen, Konzerten, Klang- und Lichtinstallationen, Performances und Mitmach-Aktionen wie Foto-Shootings oder Aktzeichnen angeboten werden.

Eine launige Rückschau auf 15 Jahre Lange Nacht hielt Projektleiter Wolf Kühnelt von den Kulturprojekten Berlin. So erinnerte er an die erste Museumsnacht von 1997. »Es war so verregnet und chaotisch, dass wir gesagt haben, das machen wir doch am besten gleich noch mal.« Zum Glück, denn aus dem anfänglichen Durcheinander erwuchs eine höchst erfolgreiche Veranstaltungsreihe, die mittlerweile auf der ganzen Welt kopiert wird. Laut Kühnelt wurden bei der letzten Langen Nacht in Buenos Aires eine halbe Million Besucher gezählt. »Und das, obwohl die Museen dort immer freien Eintritt haben«, wunderte sich der Kulturmanager.

Mit solchen Zahlen kann Berlin zwar nicht mithalten, aber die laut van Dülmen durchschnittlich verkauften 33 000 Tickets können sich auch sehen lassen. »Zumal die Veranstaltung in Berlin, im Gegensatz zu den Kopien, ohne finanzielle Zuschüsse auskommt«, betonte van Dülmen. Die Tickets in diesem Jahr kosten 15 Euro (ermäßigt 10) und werden an den beteiligten Museen verkauft, Kinder bis 12 Jahren haben freien Eintritt. Laut einer Umfrage wissen 98 Prozent der Berliner, was die Lange Nacht ist, die meisten Teilnehmer sind geübte Museumsbesucher, wollen aber in der Nacht neue Häuser kennenlernen

Man darf gespannt sein, wie die einzelnen Häuser mit dem dieses Jahr äußerst dominanten Thema Friedrich II. umgehen werden. Dass die Alte Nationalgalerie ihren Adolph-Menzel-Schinken hervorholt, gilt als ausgemacht. Überraschender könnte aber sein, wenn das Hanf-Museum das Verhältnis des alten Preußen zum Rausch beleuchtet, im Computerspielemuseum Schlachten des 18. Jahrhunderts simuliert werden, oder das Jüdische Museum die großen Widersprüche hinter der »Jeder nach seiner Fasson«-Fassade versucht aufzudecken.

28. Januar, 18-2 Uhr, Programme und Infos unter www.lange-nacht-der-museen.de


Übersichtsplan der Shuttle-Busse

1. Kulturforum | Varian-Fry-Straße | S Potsdamer Platz/Voßstraße | S+U Brandenburger Tor | Unter den Linden/Friedrichstraße | Lustgarten | Spandauer Straße/Marienkirche | S+U Alexanderplatz/ Memhardstraße | Friedenstraße | Platz der Vereinten Nationen | Knaackstraße | Danziger Straße (nur bis 22 Uhr)

2. Kulturforum | Varian-Fry-Straße | Abgeordnetenhaus | U Kochstraße/Checkpoint Charlie | Jüdisches Museum | Bergmannstraße

3. Kulturforum | Lützowplatz | U Hansaplatz | S Tiergarten | Jebensstraße | Luisenplatz/Schloss Charlottenburg

4. Kulturforum | Varian-Fry-Straße | Leipziger Straße | Französische Straße | Werderscher Markt | U Märkisches Museum | Adalbertstraße/ Oranienstraße | Kottbusser Brücke | U Karl-Marx- Straße | Karl-Marx-Platz | Alt-Treptow

5. Kulturforum | Invalidenpark | Osloer Straße/ Prinzenallee (nur bis 23 Uhr) | Seestraße/Amrumer Straße

6. Kulturforum | Kaiser-Wilhelm-Platz | Planetarium | S+U Rathaus Steglitz (Hermann-Ehlers- Platz) | S+U Rathaus Steglitz

Quelle: Kulturprojekte Berlin

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