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Karibik, Kritik

In Havanna findet die XXI. Internationale Buchmesse statt

  • Von Ute Evers, Havanna
  • Lesedauer: 4 Min.

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Lesen vor Meereskulisse ...
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Die XXI. Internationale Buchmesse in Havanna ist in diesem Jahr den Kulturen der »Großen Karibik« gewidmet. Das heißt: Bücher von den Bahamas über die Antillen bis Tobago und Trinidad, aus Ländern mit einer Küste zum karibischen Meer, von Mexiko über Nicaragua bis Venezuela. Entsprechend sind zahlreiche Autoren von dort zu Gast, darunter Sergio Pitol aus Mexiko und Pauline Melville aus Guyana sowie Sylvie Glissant aus Martinique. Letztere wird in Erinnerung an Édouard Glissant (1928-2011) sprechen, der ein Vordenker zu Fragen postkolonialer Identität und Kulturtheorie war. Wie kaum eine andere lebende kubanische Schriftstellerin spiegelt die Dichterin Nancy Morejón in ihrem Werk die kulturellen Wurzeln der Karibik. Rassismus, Marginalität, kulturelle Identitäten und Sprachenvielfalt sind nur wenige Themen aus dem Programm, das vor allem das Kulturhaus Casa de las Américas kooridiniert. Neben dem staatlichen Buchinstitut ICL, das fast alle Verlage der Insel versammelt, verfügt die Casa über einen eigenen Verlag. Seit ihrer Entstehung 1959 publizierte sie von insgesamt mehr als 900 Titeln über 250 aus der Karibik.

Die Buchmesse als Plattform zur kritischen Reflexion über die eigene Kultur haben sich kubanische Intellektuelle längst zurückerobert. Die Dinge beim Namen nennen - so das Credo des Essayisten, Kritikers und Anthropologen Ambrosio Fornet, den die diesjährige Messe u.a. besonders würdigt. Die Grauen Fünf Jahre (1970-1975) - damit bezeichnet Fornet eine Zeit dogmatischen Kulturverständnisses, das in der kubanischen Kultur großen Schaden angerichtet hat.

Mit der Hommage an den Dramatiker, Schriftsteller und Essayisten Virgilio Piñera (1912-1979) stehen auch jene Grauen Fünf Jahre zur Debatte. Seine exzentrische Ästhetik wie auch seine Homosexualität machten Piñera zum Außenseiter nicht nur im kulturellen Leben. »Die Revolution übernahm nahtlos von der vorherigen Gesellschaft die Homophobie«, stellte Antón Arrufat, Schriftsteller und enger Freund Piñeras, in einem Interview fest.

Dank Mariela Castro Espín, Direktorin des Nationalen Zentrums zur Sexualerziehung CENESEX, ist Homosexualität im heutigen Kuba immer weniger ein Tabu. Das zeigte sich einmal mehr auf der Buchmesse, wo sie zwei Bücher vorstellte, die das Thema HIV in Kuba behandeln. Nach der Präsentation wurden die Bücher gratis verteilt.

Leonardo Padura, der erst letztes Jahr mit seinem Roman über den Mörder Trotzkis die Wellen der Kritik hochschlagen ließ, nimmt mit seinem neuesten Buch »Erinnerung und Vergessen« die heutige Gesellschaft Kubas kritisch unter die Lupe. Das Problem der Presse ist es nicht, dass »Lügen verbreitet werden, sondern es besteht darin, dass Wahrheiten verborgen werden«, erklärt er bei einer Veranstaltung in diesen Tagen. Übrigens erhielt Padura für »Der Mann, der Hunde liebte« als erster hispanoamerikanischer Schriftsteller den karibischen Literaturpreis CARBET 2011. Dies wurde vergangenen Dienstag in der Casa de las Américas entsprechend gefeiert. Paduras Literatur kennt keine Grenzen, sie schlägt Brücken. Gewiss ist er nicht der Beste. Auch andere zu entdecken, liegt an den Verlegern, deren Präsenz in Havanna, was Deutschland angeht, zu wünschen übrig lässt.

Doch zurück zur Messe: Die kubanische Buchmesse ist eine Verkaufsmesse. Der Ansturm täglich auf die Festung San Carlos de la Cabaña, den Hauptsitz der Messe, ist nicht zu bremsen; trotz relativ hoher Buchpreise, über die Kubaner klagen.

Hinzu kommt ein Fachpublikum aus mehr als 40 Ländern. Unter den 260 Autoren ist auch Eugen Ruge, der aus seinem Roman »In Zeiten des abnehmenden Lichts« liest. Heinz Langer, Botschafter a. D. der DDR in Havanna, stellt sein Buch »Zärtlichkeit der Völker. Die DDR und Kuba« vor. Einerseits präsentiert sich Deutschland mit einem Stand der Deutschen Botschaft in Vertretung der Frankfurter Buchmesse, andererseits durch linke Organisationen, allen voran das Netzwerk Kuba, der Verlag 8. Mai und Cuba Sí.

Viele Buchvorstellungen, spannende Debatten und Konzerte in und um San Carlos de la Cabaña erwarten den Besucher noch, bis die Buchmesse für Havanna am 19. Februar ihre Tore schließt. Anschließend zieht sie durch 15 Provinzen der Insel und der Isla de la Juventud weiter und endet dann am 4. März in Santiago de Cuba.

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