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Chinesen in Mahlsdorf

Die Berliner Mauer trennt auf einer Müllkippe den Abfall

  • Von Georg Ismar, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Hier steht die Berliner Mauer noch. Die meterhohen, grauen Betonwände trennen in der Sortieranlage im Osten Berlins keine Menschen mehr, sondern Müll, etwa Plastikabfälle wie Bobbycars und Eimer von Saft-Verpackungen. Die Lagerung der fein säuberlich nach Stoffen getrennten Abfälle ist die letzte Station in einem ausgeklügelten Sortierprozess, einem Prozess, der immer mehr Chinesen auf der Jagd nach Rohstoffen auch nach Berlin-Mahlsdorf lockt. Sie halten das deutsche Modell mit einer Recyclingquote von rund 64 Prozent für zukunftsweisend.

Die Anlage mit einem der höchsten Sortier- oder Abfalldurchsätze Europas dient dem Unternehmen Alba, das einen Jahresumsatz von etwa 2,7 Milliarden Euro verzeichnet, als Beleg dafür, dass die privaten Anbieter Garant dafür sind, dass Deutschland schon jetzt jährlich sogenannte Sekundärrohstoffe im Wert von rund neun Milliarden Euro aus Abfällen schöpft.

Getrennt durch die grauen Mauern liegen hier am Ende riesige bunte Ballen, die in der Wintersonne glänzen. Firmen machen daraus neue Verpackungen und brauchen dadurch weniger Erdöl für Plastikstoffe. Auch die Kommunen wollen nicht länger primär die Entsorgung des Restmülls stemmen und lukrativere Geschäfte den Privaten überlassen, die etwa über die Wiederverwertung von Verpackungen mit der Gelben Tonne viel Geld verdienen. Private Entsorger wie Alba betonen, dass sie das Recycling in Deutschland forciert hätten.

Wenn man Frank Dolling fragt, was das bisher Seltsamste war, was über die zwei Kilometer langen Bänder in Mahlsdorf lief, muss der Schichtleiter nicht lange überlegen. »Ein Wildschwein«, sagt er. Über sechs Bildschirme überwacht Dolling die Sortierung. Milch-, Chips- und Safttüten, Raviolidosen und Bierbüchsen rasen über die Bänder. »120 000 bis 130 000 Tonnen werden hier pro Jahr sortiert«, sagt Alexander Gora, Leiter des Alba-Werks.

Zunächst kommt der angelieferte Müll aus den gelben Tonnen auf ein großes Band. 16 Infrarotgeräte (Stückpreis 200 000 Euro) scannen den Abfall. Magneten ziehen Metalle heraus. Und wie in einem Kamin werden durch einen Luftzug Folien abgesogen. Das größte Ärgernis sind Dinge wie Tonbänder. Wenn sie sich aufwickeln, stockt der Sortierbetrieb.

Alba entsorgt alle gelben Tonnen im Raum Berlin und von 400 000 Haushalten eine »Gelbe Tonne Plus«. Sie ist quasi ein Vorläufer der nun bundesweit geplanten Wertstofftonne, über die auch bisher im Restmüll landende Stoffe wie Legosteine oder Bratpfannen mitgesammelt werden können - womöglich auch Handys, Rasierer und Mixer. Bis zu sieben Kilo pro Einwohner und Jahr an Wertstoffen sollen so zusätzlich wiederverwertet werden. »Dem Magneten ist es egal, ob er eine Getränkedose oder eine Bratpfanne rauszieht«, sagt Werksleiter Gora.

Als die Berliner Stadtreinigung (BSR) feststellte, wie lukrativ das Geschäft angesichts knapper werdender Rohstoffe ist, stellte sie eine eigene orangene Wertstofftonne auf. Hierhin können auch Holz, Elektrokleingeräte und Datenträger gesammelt werden. Vor allem geht es um viel Geld. Rund 56 Milliarden Euro Umsatz macht die Kreislaufwirtschaft bereits in Deutschland.

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