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Ein Fall von Kommunismus

Auf dem Friedhof in Georgenthal waren Bestattungen jahrelang kostenlos - das soll sich ändern

  • Von Steffi Prutean, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Zwischen Feldern eingebettet liegt ein kleiner Friedhof am Rande des Oderbruchs in Georgenthal. Dort bestatten bisher Dorfbewohner ihre Toten, ohne dass Gebühren fällig werden. Doch das wird nicht so bleiben.

Georgenthal. In sprichwörtlich aller Ruhe haben Einwohner aus dem ostbrandenburgischen Georgenthal ihre Toten fast 20 Jahre lang auf einem kleinen Friedhof bestattet - ohne Satzung und Gebühren. Offiziell fühlte sich niemand für den alten Friedhof zuständig. Das vergessene Gemeindeland fiel bei einer Umstellung der Haushaltsführung im Amt Seelow-Land auf.

»Wir wussten von dem Friedhof und dachten, dass die Kirche dafür zuständig ist«, sagt Amtsdirektorin Roswitha Thiede der dpa. Medien hatten über angeblich illegale Bestattungen auf dem Friedhof berichtet. Es gibt hier Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert, der jüngste ist keine fünf Jahre alt.

Bestatter wundern sich

»Die Beisetzungen waren würdevoll, wie auf jedem anderen Friedhof auch«, betont die Amtsdirektorin. Der Friedhof sei von engagierten Bürgern gepflegt worden. »Die Menschen haben sich gekümmert.« So seien weder Wasser- noch Abfallkosten angefallen.

Als das Amt Anfang der 1990er Jahre die Verwaltung der Dörfer übernahm, »ist der Friedhof als Aufgabe scheinbar nicht übergeben worden«, sucht Thiede nach einer Erklärung. »Das Amt war nicht involviert.« In 20 Jahren gab es maximal acht Beisetzungen. Für die Bestatter-Innung für Berlin und Brandenburg bleibt die Sache rätselhaft. »Die Bestatter melden eine Bestattung bei der Gemeinde, der Stadt an«, erläutert Udo Diers, stellvertretender Obermeister. »Wir brauchen einen Ansprechpartner.« Möglicherweise war eine Person im Ort dafür zuständig und habe sich um alle Formalitäten gekümmert.

Pfarrer Gottfried Hemmerling kennt den Friedhof, hat aber dort nie jemanden beerdigt. Als vor Jahren alle Friedhöfe im Umkreis auf hygienische Standards kontrolliert wurden, waren die Prüfer auch dort, erinnert er sich. »Es gab Auflagen für den Friedhof.« Darum habe sich aber offenbar niemand gekümmert. Georgenthal ist ein Ortsteil von Falkenhagen, wo es einen Friedhof der evangelischen Kirche gibt. Kleine, von Bürgern eigenständig verwaltete Dorffriedhöfe waren früher in Deutschland keine Seltenheit. Es sei nicht auszuschließen, dass es bundesweit noch mehr dieser Friedhöfe gebe, bei denen in ähnlicher Weise verfahren werde und wo die Bürger die Sache selbst in die Hand genommen hätten, sagt Alexander Helbach, Sprecher der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas.

Gebühren rückwirkend?

Für eine Beisetzung fallen normalerweise Grabnutzungs- und Bestattungsgebühren an, die einmalig gezahlt werden. In Brandenburg kostet nach Erhebungen der Initiative ein Erdreihengrab im Schnitt 1133 Euro, ein Urnenreihengrab 571 Euro. Der ehrenamtliche Bürgermeister von Falkenhagen, Bernhard Fandrich, stellt sich vor, dass nun Verträge über die Pflegearbeiten auf dem Friedhof mit den Einwohnern des Dorfs geschlossen werden. »Es war immer ein Friedhof und er wurde auch nicht entwidmet«, sagt er. Das Flurstück gehöre zur Gemeinde. Das Amt kümmere sich nun um die Sicherheit alter Bäume auf dem Friedhof, die umzustürzen drohten.

Die Amtsdirektorin, die den Vorgang seit Spätherbst 2011 kennt, kündigt einen Beschluss zur Zukunft des Friedhofs an. Sie denkt nicht, dass das Amt rückwirkend Gebühren erheben wird. »Wir sind im Gespräch mit den Bürgern. Die Gemeinde Falkenberg muss entscheiden, wie es mit dem Friedhof weitergeht. Sie hat das letzte Wort.«

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