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Durch Nichtstun in die Klimakatastrophe

OECD stellt Umweltausblick für die nächsten vier Jahrzehnte vor

Der Klimawandel ist laut einer Studie der OECD nicht mehr aufzuhalten, sollte sich an der globalen Umweltpolitik nichts ändern. Die Konsequenzen tragen vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer.

Die Botschaft ist klar - und düster. Sollte es in den nächsten Jahren keine ambitionierten Projekte in der globalen Umweltpolitik geben, wird es unmöglich sein, unseren momentanen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Zu dieser bitteren Prophezeiung kommt der Umweltausblick für die nächsten vier Jahrzehnte, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestern veröffentlichte.

Das meiste aus dem Bericht mit dem Untertitel »Die Folgen des Nichthandelns« ist bekannt: Bis zum Jahr 2050 wird sich die gesamte Weltwirtschaft vervierfachen und die Weltbevölkerung um weitere zwei Milliarden Menschen zugenommen haben. Der Energieverbrauch wird deshalb um 80 Prozent höher sein als heute und der damit einhergehende Anstieg von Treibhausgasemissionen wird radikalte Auswirkungen auf die Artenvielfalt, Wasserversorgung und unsere Gesundheit haben. Schon heute sterben jährlich rund 1,5 Millionen Menschen an Feinstaubverschmutzungen der Luft, vor allem in den großen Ballungsräumen in Indien und China. Bis zum Jahr 2050 wird sich laut OECD diese Zahl verdoppeln. »Es gibt keine politischen und wirtschaftlichen Gegenargumente, diese Probleme nicht sofort anzugehen«, erklärte der Leiter des Berliner OECD-Zentrums, Heino von Meyer.

Was hingegen überrascht, ist, dass ausgerechnet die Organisation der weltweit 34 führenden Wirtschaftsnationen eingesteht, dass ein Rückgang des weltweiten Wirtschaftswachstums um 5,5 Prozent bis 2050 zu verschmerzen sei, um die vereinbarten Klimaschutzziele einzuhalten. Die Schwellenländer würden dabei am meisten verzichten müssen, obwohl sie am jetzigen Zustand weitgehend unbeteiligt waren. Allgemein könnte schon ein globales wirtschaftliches Minus von 0,2 Prozent pro Jahr dazu führen, den Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad zu reduzieren, was die Folgen des Klimawandels einigermaßen beherrschbar machen soll. Bleibe es bei den derzeitigen Bemühungen der Politik, müsse mit einem Anstieg von drei bis sechs Grad gerechnet werden. »Absolut unhaltbar«, erklärte Heino von Meyer.

Ob der Ausstoß von Klimakillern tatsächlich reduziert werden kann, hängt allerdings maßgeblich davon ab, wie die rasant wachsenden Volkswirtschaften in Indien oder China ihre Energiepolitik gestalten. Schon in den kommenden Jahrzehnten werden die sogenannten BRIICS- Länder - Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika - mehr Energie verbrauchen als die Mitglieder der OECD. Wenn der Anteil fossiler Energieträger im Weltmix weiterhin bei rund 85 Prozent liegen wird, wie die Studie prognostiziert, würden so bis zum Jahr 2050 etwa 50 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als heute.

Nur mit gut konzipierten politischen Gegenmaßnahmen seien die derzeitigen Klimatrends noch in den Griff zu bekommen, so die OECD. So würde eine entsprechende Gebühr für den Ausstoß des Klimakillers CO2 das Wirtschaftswachstum in den Indus-trieländern nur um zwei Prozent verringern, den Treibhausgasausstoß jedoch um 84 Prozent. Auch der Abbau von umweltschädlichen Subventionen für die Herstellung fossiler Brennstoffe sowie die Verteuerung der Umweltverschmutzung sollen die Klimakatastrophe noch verhindern, so die Forderungen der OECD-Studie.


Klimawandel

  • Die Globale Erwärmung wird bis zum Jahr 2100 um drei bis sechs Grad Celsius zunehmen.
  • Die Artenvielfalt an Land wird bis 2050 um zehn Prozent abnehmen, vor allem in Europa, Asien und im südlichen Afrika.
  • Der globale Wasserverbrauch steigt in den nächsten 38 Jahren um mehr als die Hälfte. 40 Prozent der Weltbevölkerung werden in Gebieten mit extremer Wasserknappheit leben.
  • 3,5 Millionen Menschen könnten bis zum Jahr 2050 jährlich an städtischer Luftverschmutzung sterben. cod

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