Kein Engel für Deutschland

Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt

Deutschlands 11. Bundespräsident heißt Joachim Gauck. Wie erwartet, wählte die Bundesversammlung den 72-Jährigen am Sonntag mit großer Mehrheit. Die Gegenkandidatin der LINKEN, Beate Klarsfeld, erhielt 126 Stimmen und damit drei mehr, als die Partei Wahlfrauen und -männer entsandt hatte.

»Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen ›Ja‹ sagen zu der Verantwortung, die Sie mir heute gegeben haben.« Joachim Gaucks Rührung am Sonntag nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Berliner Reichstag war unüberhörbar. Unmittelbar nach Verlesung des Abstimmungsresultats hatte er die Wahl angenommen. »Was für ein schöner Sonntag!«, sagte er mit Blick auf das Datum. Am 18. März 1990 hatte die erste freie Wahl der Volkskammer der DDR stattgefunden. Auch als Präsident könne er sich die Welt und das Land nicht denken ohne Freiheit und Verantwortung. Im n-tv-Interview sagte Gauck später, er wolle die Menschen motivieren zu mehr Verantwortung - unter anderem solche Menschen, die nicht zur Wahl gingen. Zugleich dämpfte er Erwartungen: »Ihr habt keinen Heilsbringer oder keinen Heiligen oder keinen Engel, ihr habt einen Menschen aus der Mitte der Bevölkerung als Bundespräsidenten.«

Gauck wurde im ersten Wahlgang gewählt, auf ihn entfielen 991 von 1228 gültigen Stimmen. Die ihn stützende, erdrückend große Koalition von Union, FDP, SPD und Grünen verfügte zusammen über 1100 Sitze in der Bundesversammlung. Es gab 108 Enthaltungen. Auf die Kandidatin der Linkspartei, die Publizistin und als »Nazi-Jägerin« bekannte Beate Klarsfeld, entfielen 126 Stimmen. Der von der NPD nominierte Historiker Olaf Rose bekam drei Stimmen.

Aus den Reihen der Linkspartei wurde nach der Wahl überwiegend erneute Genugtuung über die Entscheidung zu einer eigenen Kandidatin geäußert, so von den Vorständen in Sachsen-Anhalt und Hamburg. Dabei war nochmals die Erwartung zu hören, dass Beate Klarsfeld nunmehr die bisher trotz mehrerer Vorschläge durch die Linkspartei vorenthaltene Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz zuteil werden möge. Klarsfeld selbst äußerte sich im »Bericht aus Berlin« der ARD zufrieden mit der ...



»Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen ›Ja‹ sagen zu der Verantwortung, die Sie mir heute gegeben haben.« Joachim Gaucks Rührung am Sonntag nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Berliner Reichstag war unüberhörbar. Unmittelbar nach Verlesung des Abstimmungsresultats hatte er die Wahl angenommen. »Was für ein schöner Sonntag!«, sagte er mit Blick auf das Datum. Am 18. März 1990 hatte die erste freie Wahl der Volkskammer der DDR stattgefunden. Auch als Präsident könne er sich die Welt und das Land nicht denken ohne Freiheit und Verantwortung. Im n-tv-Interview sagte Gauck später, er wolle die Menschen motivieren zu mehr Verantwortung - unter anderem solche Menschen, die nicht zur Wahl gingen. Zugleich dämpfte er Erwartungen: »Ihr habt keinen Heilsbringer oder keinen Heiligen oder keinen Engel, ihr habt einen Menschen aus der Mitte der Bevölkerung als Bundespräsidenten.«

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