Werbung für E-Mobile

Hamburgs Wirtschaftssenator besuchte Elektroautohersteller

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 2 Min.
Zu der von der Bundesregierung bis 2020 geplanten Million Elektrofahrzeugen ist es noch ein langer Weg. Die Politik versucht sich - auch in Hamburg in Imagewerbung.

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch regt ein integriertes Fahrkartensystem an, mit dem nicht nur Busse und Bahnen, sondern auch Elektromobile genutzt werden könnten. »Nur so lösen wir die Probleme im Hamburger Innenstadtverkehr«, sagte Horch bei einer Werksbesichtigung in Hamburg-Eimsbüttel. Sein Vorschlag: »Ein Ticket für Alles: ÖPNV, DB und Car-Sharing.«

Horch besuchte Sirri Steven Karabag, dessen gleichnamiges Unternehmen deutscher Marktführer bei Elektroautos ist. Etwa 45 Prozent der 541 Neuzulassungen im Jahr 2010 stammen von Karabag, das seit drei Jahren auf Fiat-Basis die E-Fahrzeuge herstellt. Der Unternehmer will sein Produkt aus der Nische herausholen. »Elektroautos sind für uns kein Projekt mehr, sondern ein Geschäftsmodell«, erklärte Karabag und warb für seine Flotte mit 110 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeiten: »In urbanen Gebieten ist nicht mehr notwendig.«

Mittlerweile gebe es Modelle, die »definitiv günstiger als ein Benziner« seien, argumentierte Karabag. Der höhere Anschaffungspreis werde durch die Ersparnis bei den Betriebskosten von etwa einem Euro pro zehn Kilometer aufgewogen. »Die Batterie ist das teuerste am ganzen Auto, also wollten wir da die Effizienz herauskitzeln«, sagte Karabag und demonstrierte ein Modell, das auf 100 Kilometer elf Kilowattstunden Strom verbraucht - etwa die Hälfte des üblichen Werts. Über das Nummernschild könnten die E-Autos auch kabellos mit Strom versorgt werden. Inwieweit der Verzicht auf Benzin und Diesel tatsächlich der Umwelt nutzt, liegt allerdings an der Stromproduktion. Eine Greenpeacestudie hält einen positiven CO2-Effekt der E-Mobile erst ab 50 Prozent erneuerbarer Energien für gegeben.

Derzeit kommen Karabags E-Autos voll aufgeladen etwa 150 Kilometer weit. Bei seiner Probefahrt hätte der parteilose Senator Horch einen Abstecher nach Lüneburg und zurück machen können, ohne aufzuladen. Horch zog es aber doch vor, nach einigen Minuten wieder aufs Werksgelände zurückzukehren. »Als Sirri Karabag begonnen hat, hat längst nicht jeder das Visionäre so ernst genommen wie heute«, spendete er seinem Beifahrer Lob. In Zukunft sollen auch elektrische Touren von Hamburg nach Berlin ohne Nachladen möglich werden. Eine Reichweite von 350 Kilometern will man durch verbesserte Lithium-Polymer-Batterien erreichen. Auch Schwungradspeicher wären eine Option, befand Karabag.

Zur Förderung der Elektromobilität bräuchte es auch einen deutlichen Ausbau des Versorgungs- und Wartungsnetzes: E-Tankstellen und Elektrotechniker, die sich im Zweifelsfall um Defekte an den elektrischen Innereien kümmern. Auch hier will der Eimsbütteler Unternehmer Abhilfe schaffen. Heute stellt Karabag gemeinsam mit dem Elektrostapler-Hersteller Still das nach eigenem Bekunden »weltweit erste flächendeckende Servicenetz für Elektrofahrzeuge« vor.

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