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Apple öffnet die Schatztruhe

Elektronikkonzern schüttet 45 Milliarden Dollar aus

Die Führung des superreichen Apple-Konzerns hat angekündigt, erstmals seit 17 Jahren wieder eine Dividende an die Aktionäre zahlen zu wollen.

Überakkumulation ist ein altbekanntes Phänomen im Kapitalismus. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat zu einem neuerlichen Schub geführt. Der zeitweilig schrumpfende Absatz veranlasste die Unternehmen dazu, massive Kostensenkungsprogramme aufzulegen, um profitabler zu werden. Das ist gelungen, und gleichzeitig gab es wieder einen Boom auf dem Weltmarkt, besonders natürlich in den großen Schwellenländern. Das Ergebnis: Wie die Ratingagentur Moody's anhand der aktuellen Bilanzzahlen von 1124 US-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors errechnet hat, sitzen diese auf Barbeständen und leicht liquidierbaren kurz- und langfristigen Anlagen in Höhe von insgesamt 1,244 Billionen Dollar. Diese Summe liegt um 52 Prozent über dem Niveau des Vorkrisenjahres 2006. Der amerikanische Fiskus kann sich freilich nicht über einen entsprechenden Steuerregen freuen. Der Großteil des Geldes liegt auf Bankkonten im Ausland - weil es dort erwirtschaftet wurde und weil dort die Steuern niedriger sind.

Der mit Abstand cash-stärkste Sektor in den USA mit einem Anteil von 40 Prozent ist der Technologiebereich. Das Who is Who der Branche hortet jeweils zweistellige Milliardenbeträge: Microsoft, Cisco, Google und Oracle. Einsamer Spitzenreiter ist Apple mit 97,4 Milliarden Dollar. Der Siegeszug der kultigen iPods, iPhones und iPads sowie Lizenzeinnahmen lassen den gerademal 70 000 Beschäftigte zählenden Konzern aus Cupertino (Kalifornien) förmlich in Geld ertrinken. Kein Wunder bei einer gewaltigen Gewinnspanne von rund 45 Prozent je Gerät.

Solche Summen wecken natürlich Begehrlichkeiten. Vor allem die Aktionäre meldeten Anspruch an. Seit 1995, als die schwerste Krise in der Geschichte des Unternehmens begann, wurde keine Dividende mehr gezahlt. Dies passte nicht mehr in die Firmenphilosophie des mittlerweile verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs - auch nicht, als die Gewinne nur so zu sprudeln begannen. In den sauren Apfel mussten Apple-Aktionäre freilich nicht beißen: Der Kurs des Wertpapiers hat sich allein in den letzten drei Jahren mehr als verfünffacht.

Der neue Konzernchef Tim Cook vollzieht nun die Kehrtwende: Insgesamt 45 Milliarden Dollar sollen in den kommenden drei Jahren an die Aktionäre ausgeschüttet werden, kündigte Apple am Montag in New York an. Ab Juli sollen im Quartal 2,65 Dollar pro Aktie, die derzeit bei über 600 Dollar notiert, ausgezahlt werden. Die Höhe der Dividende soll jedoch regelmäßig überprüft werden. Zudem will der Elektronikhersteller eigene Aktien im Wert von 10 Milliarden Dollar zurückkaufen, was den Aktienkurs weiter in die Höhe treiben dürfte.

Damit ist Apple, im Kontrast zum selbst gepflegten Image, immer weiter auf dem Weg zu einem ganz normalen Konzern. Über die Gewinne freuen sich vor allem die Aktionäre, auch die Mitarbeiteraktionäre natürlich. Dagegen müssen die Produzenten weiter darben. Einen großen Teil seiner Geräte lässt der US-Konzern vom taiwanesischen Auftragsfertiger Foxconn in China produzieren. Berichte über katastrophale Arbeitsbedingungen und Löhne von 200 Dollar im Monat ließen die Apple-Führung kalt.

Dass der Konzern seine riesigen Barsummen auch nicht für Investitionen in neue Anlagen verwendet, zeigt, dass die meisten Märkte trotz immer rascherer Produktneueinführungen ziemlich gesättigt sind. Das viele überflüssige Geld ist daher eher ein Krisenphänomen.

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