Attentäter erschossen

Nach 30-stündiger Belagerung stürmte Polizei die Wohnung in Toulouse

Mohammed Merah, der Serienmörder von Toulouse und Montauban, ist am Donnerstagmittag beim Sturm auf seine Wohnung von Polizisten erschossen worden.
Mehr als 30 Stunden lang hatte die Polizei in Toulouse den Attentäter belagert. Beim letzten Kontakt mit den Einsatzkräften am späten Mittwochabend hatte sich Merah noch einmal zu den Morden an drei Militärs, einem Lehrer und drei Kindern bekannt und erklärt, dass er »nichts bereut«. Er kündigte an, dass er »mit der Waffe in der Hand sterben« und dabei »so viele Polizisten wie möglich mitnehmen« wolle.

In den folgenden zwölf Stunden gab der Verbrecher kein Zeichen von sich, aber dank einer Wärmebildkamera wussten die Polizisten, dass er nach wie vor am Leben war. Sie waren also auf Widerstand gefasst, als sie die Wohnung durch Tür und Fenster stürmten. Trotzdem waren die Polizisten überrascht von der entschlossenen Gewalt, mit denen ihnen Merah entgegentrat. Er schoss aus je einer Kalaschnikow-Maschinenpistole in jeder Hand. In dem minutenlangen Kreuzfeuer fielen von beiden Seiten insgesamt mehr als 300 Schüsse. Nachdem Merah zwei Polizisten verletzt hatte, versuchte er durch einen Sprung aus dem Fenster der im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung zu flüchten. Als ihn die Polizisten vor dem Haus liegend fanden, lebte er bereits nicht mehr. Todesursache war eine Kugel der Polizei.

Innenminister Claude Guéant versicherte den zahlreich anwesenden Journalisten, dass die Polizei Weisung hatte und alles getan habe, um den Mann lebend zu fassen, damit er für seine Taten vor Gericht gestellt werden könne. Doch angesichts der Entschlossenheit des Täters zu töten sei keine andere Wahl geblieben als zurückzuschießen.

Präsident Nicolas Sarkozy, der wenig später in Paris der Polizei in einer Fernsehansprache für den schnellen Erfolg bei der Fahndung und beim Ausschalten des Mörders dankte, kündigte zugleich eine Serie von Maßnahmen gegen den fundamental-religiös motivierten Terrorismus an. So soll jedes regelmäßige Konsultieren von Internetseiten, die zu Terrorismus, Rassenhass oder Gewalt aufrufen, unter Strafe gestellt und energisch verfolgt werden. Dasselbe gilt für Franzosen, die »ins Ausland reisen, um sich ideologisch indoktrinieren oder zum Terrorkampf ausbilden zu lassen«. Unter Strafe gestellt wird auch jede »Rechtfertigung terroristischer Verbrechen«. Der Präsident will ferner dafür sorgen, dass Häftlinge in französischen Gefängnissen nicht länger fundamental-religiöse Gewalt propagieren und Anhänger für den Terrorkampf gegen die Republik und ihre Institutionen rekrutieren können. Gleichzeitig warnte Sarkozy vor »leichtfertiger Gleichsetzung« der Franzosen muslimischen Glaubens mit kriminellen und fanatisierten Außenseitern.

Tatsächlich ist nach der Mordserie von Toulouse und Montauban die Furcht unter den Muslimen im Lande groß, dass sie noch mehr als bisher mit rassistischer Ablehnung konfrontiert sein werden.

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