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Der Trend geht zum Kork

Alle Deutschen kennen den Flaschenverschluss - 57 Prozent bevorzugen das Naturprodukt

  • Von Dr. Sabine Wenzel
  • Lesedauer: 4 Min.

Viele Fehler im Wein wurden dem Korken angelastet. Mittlerweile spricht sich herum, dass das so nicht stimmt. Naturkorken sind 100 Prozent Natur, auch Kultur, und kommen langsam wieder in Mode.

Der Naturkorken ist der bekannteste Flaschenverschluss. Ihn kennen 100 Prozent von Befragten. 57 Prozent der befragten Deutschen bevorzugen ihn.

Kork wird seit dem Altertum genutzt, seit Generationen als edler Flaschenverschluss und auch als Kulturträger - nachhaltig im Material, zelebrierend beim Öffnen der Flasche.

Im Moment ist der Schraubverschluss in Deutschland ein bisschen sexy, auch bei großen Winzern, sagt Rüdiger Bleckmann vom Deutschen Korkverband. Es hängt auch ein bisschen davon ab, um welchen Weinstil es sind handelt und was die Kundschaft will. Junger Wein, Rosé, Weißherbst können gut mit dem Schraubverschluss leben, roter eher nicht. Wein entwickelt sich unter dem Schraubverschluss nicht mehr, er muss trinkfertig abgefüllt werden.

Naturkork und Schraubverschluss werden bleiben, Kunststoff wird verschwinden, Glaststopfen spielen keine Rolle (teuer, eigene Flaschen, extra Abfüller nötig, Silikondichtung möglicherweise problematisch).

Österreich hat bei Weißwein komplett den Schraubverschluss. Die Schweiz war bereits in den 1980er-Jahren komplett auf Schraubverschlüsse umgestellt, vor allem bei Rotwein kehrt sie stark zum Kork zurück. England importiert wieder viel Kork - Saintsbury und Marks & Spencer wollen komplett auf FSC-Naturkork umstellen, die Nachfrage nach ökologischen Erzeugnissen steigt (FSC = Forest Stewardship Council, wie bei Plantagenholz).

Korkeichen (Quercus suber L.) sind immergrün. Sie werden bis zu 250 Jahre alt, 150 Jahre kann die Rinde geschält werden (zum ersten Mal 30-40 Jahre nach der Pflanzung, dann alle 10-11 Jahre). Pestizide sind verboten 70-72 Prozent gehen in die Weinindustrie, der Rest in Mode (Schuhe) und Bau.

Eine Korkeiche produziert im Laufe ihres Lebens ungefähr 700 Kilogramm Kork. Nach dem Schälen wird die feuchte Rinde sechs Monate gelagert, die Feuchtigkeit gleicht sich aus. Anschließend wird sie ein- bis zweimal gekocht, damit die Stücke gerade werden und um Schmutzstoffe zu entfernen. Dabei wird das Wasser permanent gereinigt und im Kreislauf gefahren. Anschließend werden möglichst schnell (maximal drei Tage) die Korken gestanzt, anschließend sofort getrocknet, um den Mikroorganismen, die für den Korkgeschmack verantwortlich sind, keine Chance zum Wachstum zu bieten.

Bei der Herstellung gibt es keine Abfälle, so wird der beim Schleifen entstehende Staub zum Heizen verwendet.

Korkgeschmack (schimmlig, muffig, moderig) im Wein entsteht vor allem durch 2,4,6-Trichloranisol (daneben auch Tribromanisol und Tetrachloranisol), die aus natürlich vorhandenen Chlorphenolen durch die Einwirkung von Mikroorganismen bei hoher Temperatur und hoher Feuchtigkeit entstehen. Früher dachte man, der Fehler stamme nur vom Bleichen des Korks mit Chlorverbindungen. Trichlor-ansiol wurde mittlerweile aber auch in Käse, Knoblauch, Kaffee und Mineralwasser nachgewiesen, und Alternativverschlüsse können ebenfalls Mufftöne aufweisen.

Eine permanente Kontrolle des Produktionsablaufs von Rinde und Korken mittels Gaschromatografie/Massenspektrometrie hat zu einer hohen Qualität der Naturkorken geführt (weniger als ein Prozent Korkschmecker, so die Angaben der Industrie). Auf der Suche nach den Ursachen für Korkgeschmack wurde auch spekuliert, ob dieser schon am Baum entstehen könne - wissenschaftliche Untersuchungen verneinten dies. Allerdings ist der untere Teil besonders gefährdet, die unteren 10 Zentimeter werden daher nicht für die Produktion von Korken verwendet.

Trichloranisol kann im Lauf der Weinproduktion aus verschiedenen Quellen stammen - Reinigungsmittel, Holzimprägnierungsmittel, Holzfassaußendesinfektionsmittel, Kellerluft und anderes. Versuche, Korken mittels Mikrowellentechnik zu behandeln, haben sich als ungeeignet erwiesen. Zwar löst sich Trichlor-anisol aus den belasteten Korken, aber am Ende verteilen sich die Reste davon in allen Korken. Geübte Nasen erkennen 5 Nanogramm je Liter, Normalkonsumenten 15 ng/l (1 Nanogramm = 0,000 000 001 g).

Den perfekten Verschluss gibt es nicht, aber der Korken ist besser als sein Ruf und ihm gehört die Zukunft.

Die Welt-Korkproduktion beträgt 300 000 Tonnen pro Jahr auf 2,3 Millionen Hektar (davon 740 000 in Portugal, mit über 50 Prozent der Weltproduktion; 15 000 Hektar davon sind FSC-zertifiziert), diese binden 14-15 Millionen. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Seit Kurzem wächst die Fläche wieder (vor allem in Portugal, um ein Prozent pro Jahr). Natürliche Korkeichenwälder sind geschlossene Ökosysteme, die vielen Arten Lebensraum geben, wie etwa den berühmten iberischen Schweinen, die gleichzeitig für eine natürliche Düngung sorgen, aber vor allem auch Reptilien, Vögeln, Säugetieren

17 Milliarden werden Verschlüsse pro Jahr weltweit hergestellt, davon 11 Milliarden Korken (Tendenz seit 2 Jahren wieder steigend), 3 Milliarden Kunststoffkorken (Tendenz fallend), 3 Milliarden Schraubverschlüsse (Tendenz steigend).

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