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Nepal will medizinisches Personal verdoppeln

Vor allem ländliche Regionen leiden unter katastrophaler Unterversorgung im Gesundheitswesen

  • Von Thomas Berger, Kathmandu
  • Lesedauer: 3 Min.
Nepal will die Zahl der Ärzte und Krankenschwestern in staatlichen Einrichtungen bis 2015 verdoppeln. Doch auch mit diesem ehrgeizigen Plan der Regierung bleibt das von der WHO festgelegte Mindestmaß an Versorgung mit medizinischem Fachpersonal unerreicht.

Positive Schlagzeilen aus dem Gesundheitsbereich in Nepal sind selten. Doch diesmal gibt es gute Nachrichten. Derzeit verhandele das Gesundheitsministerium mit dem Finanzressort, um Mittel für eine massive Personalaufstockung freizumachen, berichtete die führende englischsprachige Tageszeitung »Kathmandu Post«. Das medizinische Personal, das über den Staat angestellt ist, belaufe sich derzeit auf 4743 Personen, listete die Zeitung unter Verweis auf Quellen in der Verwaltung auf. Nach aktuellem Stand bringt es der Himalajastaat gerade einmal auf vier Ärzte pro 100 000 Einwohner.

In der Hauptstadt Kathmandu und dem weiteren Kathmandutal kann die ärztliche Versorgung als halbwegs zufriedenstellend eingestuft werden. Deutlich schlechter sieht es hingegen im südlichen Flachlandstreifen des Terai aus. Am schlimmsten sind die Verhältnisse allerdings in den schwer zugänglichen Hochgebirgsregionen, wo schon eine simple Gesundheitsstation oft mehrere Tagesmärsche entfernt liegt. Inwieweit diese im Bedarfsfall über materielle Ausstattung, einen Arzt und Schwestern verfügt, um wirklich Hilfe leisten zu können, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wenn alles gut geht, werden bis 2015 unter anderem 8690 neue Krankenschwestern eingestellt. Statt 23 würden dann immerhin 54 Schwestern auf 100 000 Einwohner kommen.

Gleichzeitig soll die Zahl der voll ausgebildeten Mediziner im Staatsdienst verdoppelt werden. Doch selbst mit 3500 Gesundheitshelfern, 435 Laborassistenten und weiterem Hilfspersonal, das ebenfalls zur Einstellung vorgesehen ist, bleibt Nepal hinter der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Untergrenze von 223 Fachkräften pro 100 000 Einwohner zurück.

Ein Problem ist, dass schon jetzt abseits der größeren Städte viele vorhandenen Stellen unbesetzt bleiben. Selbst für 300 000 Rupien Monatsgehalt (3000 Euro) - für nepalesische Verhältnisse ein fürstlicher Verdienst und zehnmal soviel wie bei städtischen Medizinern - lasse sich für ein Distrikthospital im abgelegenen Bhojpur kein Arzt für eine freie Stelle finden, führt Arjun Kumal von der Hilfsorganisation »Save the Children« in einer aktuellen Zeitungskolumne aus. Da sei es kein Wunder, wenn aus der dortigen Region der Tod einer jungen Frau gemeldet werde, die an extremen Blutungen im Zuge der Geburt ihres Kindes starb. Während in Kathmandu ein Arzt auf 3000 Patienten komme, sei es im fernen Westen des Landes gerade einmal einer auf 70 000. Zumal dort diverse niedergelassene Ärzte und Privatkliniken, die es rund um die Hauptstadt gibt, als Alternative noch fehlen.

Das Missverhältnis liege keineswegs am fehlenden Angebot: Die 21 medizinischen Colleges liefern pro Jahr immerhin 1700 Abgänger. Doch abseits der bisher teils fehlenden Stellenangebote sei die Bereitschaft, in die Provinz zu wechseln, bei vielen sehr gering ausgeprägt. Der Kolumnist schließt sich deshalb der Forderung vieler Fachleute an, einen gewissen Einsatz im ländlichen Raum verpflichtend zu machen. Einzelne Institute wie die Patan Academy of Health Sciences sind bereits Vorreiter. Die in der Nachbarstadt Kathmandus ansässige Einrichtung fordert von ihren Studenten, zwei bis vier Jahre auf dem Land zu wirken - andernfalls werden sie nicht zum Abschlussexamen zugelassen.

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