Machtwechsel in Senegal

Kommentar von Martin Ling

Wer nicht hören will, muss fühlen: Wade, c'est fini!, hieß es in Senegal allerorten schon vor der Stichwahl. Nun ist es definitiv: Der seit 2000 amtierende Präsident Abdoulaye Wade hat verloren. Es gebührt ihm Respekt dafür, dass er seine Schlappe umstandslos anerkannt hat und sich nicht wie manch anderer Potentat mit Wahlfälschung und Gewalt an die Macht klammert. Denn, soviel ist sicher: Mangelnder Machtwillen kann dem seit 2000 amtierenden 85-jährigen Präsidenten nicht vorgeworfen werden. Schließlich ließ er die Verfassung so umbiegen, dass ihm eine dritte Kandidatur überhaupt erst ermöglicht wurde. Mit diesem Manöver wollte er eine Wade-Dynastie einleiten, in der sein Sohn Karim ihm folgen sollte. Doch von Dynastien haben nicht nur die Senegalesen die Nase voll.

Nach Ende der 19-jährigen Ära Abdou Dioufs 2000 kommt nun die Ära Wade nach zwölf Jahren zum Schluss. Der zweite friedliche Machtwechsel via Urnengang ist für afrikanische Verhältnisse durchaus bemerkenswert und nach wie vor alles andere als selbstverständlich.

Auf Wade folgt nun sein einstiger Weggefährte Macky Sall. Für einen grundsätzlichen Kurswandel und eine Abkehr von der marktliberalen Politik Wades steht Sall nicht. Bei der Eindämmung der massiven Armut hatte Wade keinen Erfolg. Auch Sall wird daran gemessen werden.

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