Andere Straße für Amadeu Antonio

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Tod von Amadeu Antonio diskutiert Eberswalde weiter, wie an ihn erinnert werden soll. Der Angolaner war das erste Todesopfer rechtsextremistischer Gewalt in Ostdeutschland nach der Wende. Jetzt ist ein ganz neues Konzept im Gespräch. »Die Diskussion ist komplett offen«, sagte Kai Jahns von der Kampagne »Light me Amadeu«. Heute wollen die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung bei einem Treffen über ein neues Erinnerungskonzept beraten, kündigte der stellvertretende Bürgermeister Lutz Landmann (SPD) an.

Eigentlich sollte die Eberswalder Straße in Amadeu-Antonio-Straße umbenannt werden. Im August vergangenen Jahres wurde die Straße schon einmal für ein paar Minuten symbolisch umbenannt - an dem Tag, an dem der Angolaner 49 Jahre alt geworden wäre. Die Kampagne strebt eine dauerhafte Änderung an. Bisher konnten sich die Stadtverordneten noch nicht auf ein Vorgehen einigen.

Zum neuen Konzept gehört, alternativ die Lichterfelder Straße umzubenennen. »Die Eberswalder Straße ist eine Durchfahrtsstraße. Das ist nichts, wo man anhält«, erklärte Landmann. Zudem beklagten sich einige Anlieger über Kosten, die zum Beispiel entstehen, wenn Briefköpfe geändert werden müssen. Wobei sich die Kosten aber im Rahmen halten würden, meinte Landmann.

Aus Sicht von Jahns ist der Alternativvorschlag nicht unproblematisch. »Die Lichterfelder Straße ist nur eine kleine Nebenstraße.« Die Eberswalder Straße sei auch geeignet, weil dort in unmittelbarer Nähe vor 20 Jahren ein Übergangsheim für Flüchtlinge abgebrannt sei. Jahns sagte zugleich, dass die Diskussion noch nicht am Ende sei - und den Blick der Menschen für Rassismus weiten könne. Der stellvertretende Bürgermeister betonte, dass eigentlich alle Fraktionen an einem Strang ziehen. »Es ist völlig unstrittig, dass wir Rassismus bekämpfen wollen.«

Der einst als Vertragsarbeiter in die DDR gekommene Antonio war in der Nacht zum 25. November 1990 von Neonazis angegriffen worden. Am 6. Dezember starb er an seinen Verletzungen. An die Tat erinnert eine Gedenktafel in der Stadt, an der alljährlich des Toten gedacht wird. In diesem Jahr sind auch Aktionen zum 50. Geburtstag Antonios geplant. Dies ist auch ein Teil des Erinnerungskonzeptes.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung