»Wir leben weiter im Krieg«

Polizei und Militär treiben die Gewalt im mexikanischen Ciudad Juárez auf die Spitze

  • Von Kathrin Zeiske, Ciudad Juárez
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Seit vier Jahren leben die Menschen in Ciudad Juárez im Ausnahmezustand. Nachdem Mexikos Präsident Felipe Calderón den Drogenkrieg ausgerufen hatte, begann am 28. März 2008 der Militäreinsatz in der Stadt. Die Anwesenheit von Militär und Polizei hat indes Übergriffe und Menschenrechtsverletzungen noch häufiger werden lassen.

Zehn Polizeiwagen rasen durch die Stadt. Eine Szene wie im Film. Über die Schnellstraßen preschen sie in den Westen, in die Armenviertel, wo die Straßen steiler, enger und staubiger werden. Irgendwann verschwindet der Asphalt. In den Hügeln oberhalb des Viertels Galeana stoppen die glänzenden Geländewagen abrupt. Rund 50 maskierte, schwer bewaffnete Polizeibeamte springen herunter, umstellen Häuser, sichern Dächer, sperren einen Straßenzug. Neugierig sammelt sich eine Gruppe Jugendlicher am Absperrband. »Nehmen Sie jemanden fest?« Die Vermummten bleiben stumm.

Zehn Minuten später zieht sich die Polizei zurück, drei Personen werden mit Handschellen auf die Ladefläche eines Pick Ups gekettet. Die Kolonne setzt sich mit quietschenden Reifen in Bewegung und verschwindet in einer Staubwolke.

Nur in Bagdad wird noch mehr gemordet

»In Ciudad Juárez befinden wir uns im Auge des Wirbelsturms«, konstatiert Gerardo Rodríguez, Dire...

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