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Birken aus Birkenau

Eine neue Gedenkstätte entsteht in Lichtenberg

Der Bezirk Lichtenberg ist reich an Gedenkstätten. Viele Gedenktafeln, Stolpersteine und Stelen erinnern an Bürger Lichtenbergs, die Großartiges erzielt oder während der Nazizeit Widerstand geleistet haben, verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.

Nun kommt eine besondere Gedenkstätte hinzu. Im Rahmen einer Kunstaktion werden Jugendliche aus zwei Jugendklubs morgen ab 16 Uhr den Grundstein für ein Birkenwäldchen auf den Neuen Krugwiesen legen.

Die zehn kleinen Birken sollen an das Schicksal vieler tausend Menschen erinnern, die im KZ Auschwitz-Birkenau (Polen) ermordet worden sind. Der junge polnische Künstler Łukasz Surowiec hat einige Hundert junge Birken aus der Umgebung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau nach Berlin gebracht. An Stelle eines Denkmals aus Eisen und Stahl soll etwas Lebendiges an diese furchtbare Vergangenheit erinnern. Der Wunsch des polnischen Künstlers ist es, dass diese Birken zu einem »lebendigen Archiv« werden. Sie werden - verteilt in viele Berliner Stadtgebiete - Wurzeln schlagen können. Dazu gehören ein Park in Spandau, die Wuhlheide in Treptow-Köpenick und auch viele Schulgelände. Es sind alles Orte, die eine Verbindung zu Holocaust und Deportation haben - wie zum Beispiel die Gedenkstätte am Gleis 17 in Grunewald.

Am Stadtrand von Hohenschönhausen werden Jugendliche aus dem »Welseclub« und »Leo’s Hütte« zehn junge Birken im Quartierspark Seehausener Straße pflanzen. Die Jugendlichen beider Klubs haben sich im Vorfeld mit der Vergangenheit intensiv beschäftigt. In »Leo’s Hütte« wurde zum Thema Auschwitz-Birkenau eine Fotoausstellung erarbeitet und gestaltet. »Wir haben Gedenkstätten mit den Jugendlichen besucht«, sagte die Leiterin der Einrichtung Majel Kundel. »Wir waren in Sachsenhausen und auch in Auschwitz.« Daraus ist eine Fotodokumentation mit ganz persönlichen Eindrücken entstanden. Sie war bisher in »Leo’s Hütte« zu sehen und wird am Donnerstag im »Welseclub« eröffnet. »Wir wollen diese Fahrten zu den Gedenkstätten emotional gestalten«, erklärte Majel Kundel. »Auch heute ist noch aktuell, dass Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung ausgegrenzt und verfolgt werden.«

Steffen Rahn ist einer der Jugendlichen, die diese Besuche mitgemacht haben. »Wir wollten uns mit der jüngsten Geschichte beschäftigen«, erklärte der junge Mann, der die Schule bereits verlassen hat und heute im Jugendklub ehrenamtlich hilft. »Wir sind schon zwei Mal vom Klub aus nach Auschwitz gefahren, daraus haben wir mit persönlichen Erinnerungen und Eindrücken diese Fotoausstellung gestaltet.« Für Steffen Rahn ist es viel persönlicher, wenn die Jugendlichen aus beiden Klubs die Birken pflanzen. »Für uns ist es wichtig, dass die jugendlichen Besucher die Geschichte verstehen«, ergänzte Majel Kundel.

Jugendstadträtin Christina Emmrich (LINKE) erklärte, dass diese Aktion im Rahmen »der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst« stattfindet. »Die Aktion passt sehr gut in die Gedenkstätten im Bezirk Lichtenberg.« Christina Emmrich und Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) werden gemeinsam mit Jugendlichen aus beiden Freizeiteinrichtungen zum Spaten greifen und die Gedenkstätte anlegen. Eine Tafel wird die Quartiersparkbesucher vor Ort über das Kunstprojekt informieren.

Im Anschluss an die Pflanzaktion wird am morgigen Donnerstag im »Welseclub«, Vincent-van-Gogh-Straße 36, die Fotoausstellung der Jugendlichen über ihre Eindrücke in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau eröffnet.

www.berlinbiennale.de

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